Geniales Kunstwerk auf dem Goetheplatz – von einigen wertgeschätzt, von anderen abgelehnt

Seit jüngster Zeit erfreut oder erzürnt das Auge, je nachdem, an der südlichen Spitze des Goetheplatzes eine 4-m-hohe  Skulptur aus Aluminiumprofilen. Sie ist in die Sichtachse der Peter-Huchel-Chaussee platziert, von der Bahntrasse her gesehen ein zweidimensionales grafisches Zeichen. Ein neues Logo für Wilhelmshorst oder etwa ein Rankgerüst?

Die Neugierde ist geweckt, das Geheimnis zu enträtseln. Erst bei Annäherung öffnet sich die Zeichensetzung als dreidimensionale Konstruktion. Die Skulptur ist aus vielen verschiedenen geometrischen Formen zusammengesetzt, die je nach Position des Betrachters  dank seiner Transparenz, immer wieder wechselnde Ein- und Durchblicke erlaubt und verschiedenartig gerahmte Bildebenen  der Umgebung freigibt. Die Aluminiumprofile sind an den Knotenpunkten präzise eingearbeitet. Die räumliche Wirkung ist frappierend, weil sie nicht starr ist und quasi mit dem Betrachter kommuniziert. Sie lässt sich nicht festlegen , ist aber bereit zu immer neuen Antworten. Eine interessante Erfahrung.

Trotz alledem: die Frage, ob sie gefällt oder nicht, ist obsolet.  Die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden.

Die  Skulptur  ist eine Arbeit des Solinger Künstlers Prof. Wolfgang Körber, der 1934 in Wilhelmshorst geboren wurde. Die Familie verließ bereits 1941 seinen Geburtsort in Richtung Ruhrgebiet. Er studierte, machte eine beachtliche Karriere als Architekt, Maler, Designer, Ausstellungsbauer, später Hochschulprofessor. Er  wird eines Tages  ein beachtliches Lebenswerk hinterlassen.  Die frühkindliche Phase in seinem Geburtsort  hat ihn offensichtlich entscheidend geprägt, so dass er jetzt den Entschluss gefasst hat, seinem Geburtsort eine seiner Großplastiken für den Goetheplatz zu schenken als Ausdruck seiner Heimatverbundenheit. Zudem erinnert er mit der Skulptur an das hiesige Wirken seines Vaters, der mindestens 30 Häuser plante. Deshalb trägt sie den Titel „Das Werkzeug des Architekten.

Der Geschichtsverein in Wilhelmshorst wurde kontaktiert. Dessen Mitgliederversammlung votierte einstimmig für die Annahme der Schenkung und Aufstellung der Skulptur auf dem Goetheplatz. Nun galt es einen relativ zügigen Ablauf zu gewährleisten, da für Prof. Körber aufgrund seiner Krankheit keine langen Procedere eingeleitet werden sollten. Es folgte aber Öffentlichkeitsarbeit in der MAZ , im Märkischen Bogen und Verhandlungen mit den demokratischen Gremien der Gemeinde Michen-dorf und dem Ortsbeirat  Wilhelmshorst.  Zu diesem Zeitpunkt wären Einwände gegen die Schenkung möglich gewesen, was aber nicht geschah, mangels Interesses?

Nun steht sie auf dem Platz und wird zum Objekt einer Debatte, die unverhältnismäßig  verbittert und aggressiv geführt wird. Das Argument ist, man wäre nicht informiert worden. Fragt man nach, welche Informationsquellen im allgemeinen genutzt werden, so erfährt man, dass weder der Mär-kische Bogen noch die MAZ ,das Amtsblatt und die Homepage der Gemeinde gelesen werden. So viel Desinteresse am Geschehen in der Gemeinde und Region ist eigentlich unglaublich.

Ich wünschte, es gäbe in der  Gemeinde Michendorf und spez. in Wilhelmshorst einen ähnlichen Sturm der Empörung für bereits begangene Fehlentscheidungen wie z.B.  die Belegung eines anderen zentralen Platzes in Wilhelmshorst mit hässlichen Containern oder die rigorose Abholzung hunderter  Bäume entlang der Chaussee zwischen Langerwisch und Saarmund für die Realisierung eines 3 m breiten Radweges. Das haarsträubende Ergebnis kann man sich bereits bildlich vorstellen, betonierte hohe Böschungen, großflächige Versiegelung der Böden, Aluminiumschutzstreifen rechts und links, daneben der multipel Abgase abgebende Verkehrsfluss- also der absolute Radwanderfrust.  Kann man solche Entscheidung nicht bis in die letzte Konsequenz in Ruhe vorher durchdenken und gibt es umweltschonende  Alternativen?

Ich kann allen Wilhelmshorstern nur empfehlen, sich in Zukunft schon im Vorfeld über geplante Veränderungen im Ortsbild  zu informieren, die gewählten Volksvertreter vor Ort persönlich zu befragen, sich einzumischen, um eventuelle Fehlentscheidungen zu verhindern. Interessieren sie sich für die Abläufe in der Gemeinde, engagieren sie sich ehrenamtlich in den Vereinen und reden sie miteinander und nicht übereinander.

Zurück zur Skulptur. Für die Aufstellung wurde keine einzige Hecke gerodet und auch kein Baum gefällt. Die Vögel zwitschern wie ehedem auf dem Goetheplatz. Die Käfer und Würmer nagen genüsslich an den maroden Sitzbänken. Zukünftig bleibt an dieser Stelle nun den Wilhelmshorstern  jegliche großformatige Wahlkampfwerbung erspart. Der Platz ist bereits belegt.

Kornelia Gantze-Halling

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