Begeisterung über Wolfgang Linkes Lichtbilder-Vortrag
Gespannt war die Erwartung der 45 Wilhelmshorster Bürger, die sich am 3. März 2002 nachmittags zum „Foto-Sonntag“ im Café Willmann eingefunden haben.
Denn die Arbeitsgemeinschaft „Ortsgeschichte Wilhelmshorst“ hatte einen vielversprechenden Lichtbilder-Vortrag von Wolfgang Linke angekündigt. In seiner einfühlsamen Begrüßung sagte der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Dr. Rainer Paetau voraus, dass Herr Linke als „historischer Reiseführer“ die Anwesenden auf einen Ausflug in die Wilhelmshorster Vergangenheit mitnehmen und manches Unbekannte entdecken lassen werde. Und so sollte es auch geschehen.
Mit Detailwissen und Humor würzte Herr Linke seinen launigen Vortrag und hatte während der gesamten Dauer der „Zeitreise“ das ungeteilte Interesse aller „Reiseteilnehmer“. Zunächst präsentierte er wildromantische Fotos vom eigentlichen Entdecker dieser wildromantischen Gegend kurz nach der Jahrhundertwende von 1900, dem Berliner Baumeister Gustav Winkler, der einen ausrangierten Eisenbahnwaggon als Unterkunft im Bereich des heutigen Grünen Weges aufstellen ließ. Über ihn wie über den Planer und Gründer des Ortes, den Berliner Kaufmann Wilhelm Mühler, wusste Herr Linke so manche anekdotenhafte Geschichte zu erzählen.
Selbstverständlich konnten Fotos von Mühler vor seinem ersten, massiv gebauten Haus (An der Bahn 20) gezeigt werden, wie vor seiner Villa mit Waldsee im Ravensbergweg (heute Schwesternhaus Immaculata). In dem ersten Mühler-Haus hatte später Kaufmann Otto Krüger einen Lebensmittelladen eingerichtet. Allein die Aufnahme der Ladenausstattung inklusive des Warensortiments und des posierenden Verkaufspersonals entzückte den Betrachter.

1907 – Restaurant Hammer
Weitere Highlights waren Aufnahmen vom seinerzeit noch wasserreichen Irissee mit weitgehend baumloser Umgebung, vom Goetheplatz (der damals Kirchplatz hieß, weil dort die Kirche errichtet werden sollte), vom Bahnhof und der romantischen Gaststätte auf seinem südlichen Vorplatz sowie dem Restaurant Hammer, das zunächst mehr einer Bretterbude glich. Doch dann errichtete Adolf Hammer an der Potsdamer Straße ein großes schönes Haus mit Hotel- und Restaurantbetrieb. Allein der ehemals herrliche Kaffee- bzw. Biergarten, ja der gesamte Restaurations- und Hotelbetrieb ließen bei den Betrachtern Wehmut aufkommen angesichts des tristen Daseins, das Haus und Grundstück heute fristen. Was auch erkennbar wurde: Die Wilhelmshorster der 1920er/30er Jahre hatten anscheinend Stil und Geschmack.
Der Ausflug durch das historische Wilhelmshorst zeigte eine ganze Reihe schöner Häuser und gepflegter Vorgärten, u. a. die Turmschule, das Teichhaus, die Villa Tausendschön, den nicht mehr existenten Vogelschutzgarten Quitt (An der Aue/Rotdornweg), ferner Straßenszenen mit urtümlichen Pferdewagen und Autobussen oder einen Plausch am mobilen Milchwagen Kurt Willmann (d. Ä.).
Einen weiteren Foto-Schwerpunkt setzte Herr Linke auf die Aktivitäten anlässlich der Ortsjubiläen, so auf die 25-Jahrfeier 1932, vor allem aber auf die 75-Jahrfeier 1982. Was die Wilhelmshorster organisatorisch hierzu auf die Bühne gestellt hatten und wie sie gemeinsam zu feiern wussten, beeindruckte die „Zeitreisenden“ stark. Keine Frage: Hier ist ein Maßstab für das anstehende 100-jährige Jubiläum im Jahre 2007. Wir Wilhelmshorster werden uns noch mächtig ins Zeug legen müssen!
Für seinen engagierten Vortrag von rund eineinhalb Stunden erhielt Herr Linke am Ende stürmischen Applaus. So zeigten sich die Anwesenden auch generös und spendeten 120 Euro zugunsten der weiteren Erforschung und Darstellung der Ortsgeschichte. Angesichts des erfolgreichen Auftakts blieb zu überlegen, ob diese oder ähnliche Veranstaltungen nicht häufiger der Öffentlichkeit angeboten werden sollten – die Wilhelmshorster Kulturgeschichte als ein Beitrag zur Kultur der Gegenwart.
Ganz zum Schluss händigte Herr Willmann Herrn Dr. Paetau eine größere Anzahl historischer Dokumente und Fotos leihweise aus, um die Arbeitsgemeinschaft Ortsgeschichte auf diese Weise zu unterstützen. Das sollte in der Tat Schule machen. So werden bei dieser Gelegenheit alle Bürger gebeten, einmal ihre Fotoalben oder anderen Schatztruhen zur Ortsgeschichte nachzuschauen und mit dem Sprecher der Arbeitsgemeinschaft oder mit Herrn Linke Kontakt aufzunehmen – damit 2007 etwas ordentliches präsentiert werden kann.
Dieter Kraus
Veröffentlicht im Märkischen Bogen, April 2002