Birkenwäldchen – OdF-Stele

Auf dem Weg zum Wilhelmshorster Bahnhof kommt man aus südlicher Richtung unwillkürlich einen einem mit Birken bewachsenen und einer großen Freifläche geprägten Platz vorbei. Die dominante dieses Platzes ist eine 4 Meter hohe Betonstele mit der Aufschrift »Du siehst, dass der proletarische Löwe nicht tot ist. Karl Marx«.
Vor der Betonstele liegt ein Findling mit Dreiecksemblem und Inschrift »Euer Tod ist uns Verpflichtung«. Eine seltsame Komposition, welche sich jedoch durch einen Blick in die Geschichte erklärt.

Der Reihe nach:

Angelegt die Freifläche als zur Gessnerischen Gesamtgestaltung gehörender Schmuckplatz. Damals noch ohne die Funktion eines Mahnmal-Ensembles und in die Gestaltung von Wilhelmshorst-Süd eingefügt.

Nach 1945 wurde dieser Platz zunächst in Karl-Marx-Platz umbenannt und 1949 dann mit einem Mahnmal für die Opfer des Faschismus – dem Findling mit Aufschrift – versehen. Auch die Hintergrundbegrünung wurde zu dieser Zeit angelegt, wodurch die Sichtachse aus der Strasse Unter den Lauben in Richtung Bahnhof beeinträchtigt wurde, der Platz aber auch in Richtung Süden einen Abschluss erhält.

Am 7. Mai 1985 wurde dann das Ensemble anlässlich des 40. Jahrestages der Befreiung vom Faschismus mit der Betonstele komplettiert. Das Zitat von Karl Marx schafft eine Verbindung zum Namen des Platzes und verweist auf die Bedeutung des Ensembles.

Geschaffen wurde die Stele vom Wilhelmshorster Künstler Kurt-Hermann Kühn (1926-89) im Auftrag der Gemeinde. Die Werke Kühn´s, bekannt auch durch das Wandfresko in der Eingangshalle der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam und die künstlerische Gestaltung des Karl-Liebknecht-Forums in Potsdam gerieten nach der Wende nicht nur in Vergessenheit sondern fielen auch dem Rückbau der ideologisch aufgeladenen Kunstwerke zum Opfer.

Der Betonstele in Wilhelmshorst sollte 1989/1990 das gleiche Schicksal teilen, was jedoch vor allem durch fehlende Mittel für den Abriss nicht zu Stande kam. So ist die Stele heute eines der letzten erhaltenen Werke des Künstlers und Zeugnis der Mahnmalkultur in der DDR.

Mit seiner „in Form und Inhalt typischen DDR-zeitlichen Gestaltung“ ist das Ensemble vom Landesamt für Denkmalpflege 2010 für schutzwürdig erklärt und in die Denkmalliste aufgenommen worden.

Da Kurt-Hermann Kühn zwar in Merseburg geboren wurde, aber seit 1964 bis zu seinem Tode in Wilhelmshorst gelebt hat, ergibt sich ein besonderer Ortsbezug des Mahnmals, heißt es in der Begründung des Denkmalamtes. Darüber hinaus gebe es in Wilhelmshorst kaum noch Zeugnisse von Belang aus der DDR-Zeit.

Um den Platz nicht nur durch das Denkmal dominieren zu lassen wurden auch schon Rufe nach der Erweiterung durch weitere Plastiken, welche Bezug zur Ortsgeschichte haben sollten, laut.

Zu Kurt-Hermann Kühn:

  • 29.9.1926      in Merseburg geboren
  • 1941–43        Malerlehre
  • 1946–51        Studium an der Akademie für Graphik und Buchkunst in Leipzig, danach an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin
  • 1953–70        Dozent an der Fachhochschule für angewandte Kunst in Potsdam, später Fachschule für Werbung und Gestaltung in Berlin
  • 1957               längerer Aufenthalt in Syrien (Kulturarbeit),
  • 1964               Wohnsitz verlegt nach Wilhelmshorst, An den Bergen
  • 1968–87        Vorsitzender des Bezirksverbandes des Verbandes Bildender Künstler-DDR, Potsdam, zuletzt Mitglied des Zentralvorstandes der Zentralen Revisionskommission des Verbandes Bildender Künstler-DDR
  • 1985               OdF-Gedenkstele in Wilhelmshorst (Birkenwäldchen) anlässlich des 40. Jahrestags der Befreiung vom Faschismus
  • 21.10.1989    gestorben in Berlin-Buch

Auszeichnungen:  

  • Aktivist der Sozialistischen Arbeit
  • Johannes-R.-Becher-Medaille in Gold
  • Theodor-Neubauer-Medaille
  • Theodor-Fontane-Preis
  • Verdienstmedaille der DDR
  • Medaille 30. Jahrestag der DDR
  • Vaterländischer Verdienstorden (Bronze)
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