In Wilhelmshorst erzählen Zeitzeugen über persönliche Erinnerungen an den Umbruch in der DDR

WILHELMSHORST – Als Ost und West zusammenkamen, war in Politikerreden oft zu hören, die Menschen sollten sich gegenseitig ihre Geschichten erzählen. Richtig geklappt hat das eher selten. Vielleicht bieten Umbruchzeiten wie Anfang der 1990er Jahre nicht die nötige Gesprächsatmosphäre dafür.

20 Jahre nach Mauerfall und Friedlicher Revolution in der DDR gibt es nun aber gute Gelegenheiten, mit einigem Abstand darauf zurückzukommen. Der Verein der Freunde und Förderer der Wilhelmshorster Ortsgeschichte will das mit regionalen Bezug am 10. Oktober versuchen. Im Fokus steht dabei das Geschehen im Herbst 1989, die Zeitenwende, die auch die lokale Welt rund um Wilhelmshorst veränderte. Zeitzeugen aus dem Ort und aus der Region werden an diesem Samstag, 17 Uhr, im Gemeindezentrum Wilhelmshorst, Albert-Schweitzer-Straße 9-11, nach ihren Erinnerungen an die Friedliche Revolution befragt.

Andere tragen ihre Kurzgeschichten aus der aufregenden Zeit vor oder berichten, wie sie die Ereignisse am Tag des Mauerfalls am 9. November 1989 in Ost wie West erlebt haben. „Es ist wichtig, dass wir uns gegenseitig unsere Geschichten erzählen, sie anhören und so verstehen lernen, was die einzelnen Akteure damals bewegte“, sagt Rainer Paetau, Vorsitzender der „Freunde und Förderer der Ortsgeschichte“.

Da wird zum Beispiel ein ehemaliger Wilhelmshorster Schüler über den Auftrag berichten, in seiner Schule einen Beitrag zum DDR-Republikgeburtstag zu leisten. Was machte er? Er fotografierte die heruntergekommene Altstadt von Halle. Die Ausstellung mit den Fotos maroder Häuser wurde weggeschlossen, die vier beteiligten Schüler zur Rede gestellt. „Die jungen Leute wollten die Wirklichkeit zeigen und eckten damit an“, sagt Paetau.

Auch Lehrer eckten in dieser Zeit an. So wurde im Lehrerkollegium das Verbot der sowjetischen Zeitschrift Sputnik scharf diskutiert. Erzählt wird am Samstag auch die Fluchtgeschichte der beiden Schwestern Anja und Gerit Kling. Die Schauspielerinnen aus Wilhelmshorst waren im Sommer 1989 über Ungarn in den Westen geflohen. Der Michendorfer Pfarrer Uwe Breithor wiederum wird über die Rolle der Kirche in der Umbruchzeit in der Region sprechen und Landtagsabgeordnete Susanne Melior (SPD) erzählt über die Gründung der SDP, die Sozialdemokratische Partei in der DDR, die sie in der Region Michendorf damals mitgründete. (jst)
Quelle: MAZ

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