Historische Postkarten zeigen Wilhelmshorst als Erholungsort – mit mancher Schummelei

40 historische Postkarten aus der Vorkriegszeit sind im Gemeindezentrum Wilhelmshorst ausgestellt. Die Ansichten zeigen Wilhelmshorst als Ausflugziel vor den Toren Potsdams. „Damals ist für die Werbung auch schon geschummelt worden“, so Ausstellungsmacher Volker Tanner vom Verein der Freunde der Wilhelmshorst Ortsgeschichte. Die Aufnahmen stammen von der Kaiserzeit bis zu den Tagen vor Ausbruch des 2. Weltkrieges. Einzelne Ortsansichten sind handkoloriert, andere Karten mit Villen schimmern bläulich oder gelbbraun.

Volker Tanner erläutert die Ausstellungsobjekte, Foto Thomas Wendel

Den Originalfarbton hat Volker Tanner beim Bearbeiten beibehalten, das Format hat er vierfach vergrößert: So lassen sich Details erkennen und handschriftliche Anmerkungen auf der Vorderseite leichter lesen. Das Lesen allerdings ist eine Herausforderung: Damals wurde noch in deutscher Schrift geschrieben, die heute kaum noch jemand kennt.

In den beiden Räumen im Gemeindehaus werden alte Anekdoten lebendig. Während der Eröffnung am Wochenende erkannte eine Besucherin eine längst geschlossene Gaststätte als den Ort, an dem ihre Eltern heirateten. Andere Einheimische sahen sich die Architektur an und überlegten, wer da früher wohnte und was wohl aus den Herrschaften geworden ist.

Touristische Motive bilden den größten Teil der reproduzierten Ansichtskarten. Wie heute dienten sie der Werbung: Wilhelmshorst als Ort vor den Toren Berlins und Potsdams. Wilhelmshorst als Hort der Sommerfrischler mit dem Irissee und dem Irisgrund. Zwei Aufnahmen wollen den Ort sogar als Wintersport-Paradies präsentieren. „In den Bergen“ lauten die Aufschriften auf den Karten von 1935 und 1936. „Wilhelmshorst bei Potsdam. Das ideale Ski- und Rodelgebiet.“ Die Bäume sind eingeschneit, die Wege weiß, dort verschnaufen Skifahrer, da rodeln Steppkes bergab. „Da wurde schon gemalt“, weist Volker Tanner auf die Jungen hin: „Die Mützen sind nicht echt.“

Aus seiner viel umfangreicheren Sammlung hat der Wilhelmshorster Informatiker die 40 Motive ausgewählt. „Meine Frau stammt aus Wilhelmshorst“, sagt Tanner. Vor 21 Jahren ist auch er aus Potsdam „aufs Land“ gezogen. Sein Interesse an historischen Karten habe „mit der ersten Postkarte, die ich geschenkt bekommen habe“ begonnen. Er findet die Karten des Irissees sehr attraktiv und sieht darin auch heute eine Aufgabe für den Heimatverein. Die 60 Mitglieder interessieren sich nämlich für die Wiederherstellung einer Freilichtbühne am See.

Zur Ausstellung ist ein kleiner Band mit den Reproduktionen erschienen. „Gruß aus der Sommerfrische. Wilhelmshorst auf alten Ansichtskarten“ heißt die zweite Veröffentlichung aus der Reihe zur Wilhelmshorster Ortsgeschichte. Für 20 Euro ist der Bildband in der Ausstellung erhältlich oder unter wilhelmshorst-online.de bestellbar. Band 1, „Wilhelmshorster Werbung“, kann auf demselben Wege bestellt werden. Thomas Wendel

Zu sehen sind die Postkarten noch am kommenden Samstag, 26. November, von 14 bis 18 Uhr, Albert-Schweitzer-Str. 9.

von Thomas Wendel
Quelle: PNN

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