Gesucht: Wilhelmshorster Erinnerungen Wer berichtet über seine Erlebnisse aus der Zeit vor 1990?

Inzwischen dürfte es sich in der Gemeinde herumgesprochen haben: Wilhelmshorst will 2007 sein Hundertjähriges feiern. Doch es soll nicht nur gefeiert, sondern auch etwas Bleibendes für die Zukunft des 21. Jahrhunderts hinterlassen werden. So nimmt die AG Ortsgeschichte dieses Ereignis zum Anlass, ein Jubiläumsbuch zu veröffentlichen.
In diesem Buch werden die großen Entwicklungslinien des Ortes von der Gründung bis zum neuen Aufschwung seit 1990 skizziert. Da sich in Wilhelmshorst aufgrund seiner spezifischen Bevölkerungsstruktur die politischen Systemwechsel der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts wie im Brennglas spiegeln, verspricht die Darstellung dieser Zäsuren Spannendes. Genauso wichtig sind aber auch Berichte über den ganz normalen Alltag. Waren es doch die alltäglichen Dinge, Probleme und Sorgen, die die längste Zeit das Leben der jeweiligen Generationen prägte. Doch was ist von all dem bei den heute Lebenden noch in Erinnerung?
Zweierlei soll im Zentrum das Jubiläumsbuches, woran derzeit mehrere Autoren schreiben, stehen. Einmal eine Vielzahl von seltenen Abbildungen oder Fotos, die selbst ein wichtiger Teil der Kulturgeschichte des Ortes sind und weiterhin zum Nachforschen über das Dargestellte anregen. Deshalb eine dringende Bitte an unsere Leser: Sichten Sie Ihre Alben und Unterlagen umgehend nach Fotos, die für die Ortsgeschichte eine Bedeutung haben können. Nur wenn wir jetzt diese Fotos kurzfristig zum Kopieren bzw. Scannen erhalten, können sie noch in das Buch aufgenommen werden.
Zweitens sollen persönliche Erlebnisberichte das „Salz in der Suppe“ sein, Erinnerungen an Personen, Ereignisse und kleine Begebenheiten von ehemaligen oder heute hier lebenden Wilhelmshorster Bürgern. Schauen Sie sich doch bitte Ihre alten Fotos an – vielleicht werden schlummernde Erinnerungen wachgerufen und können mit einer kleinen Erlebnis-Geschichte verbunden werden. Herausgeber und Autoren des Jubiläumsbuches laden jedenfalls alle Erzähl- und Schreibwilligen ein, ganz persönlich zur Bewahrung des lokalen Gedächtnisses beizutragen.
Im Prinzip hat jeder etwas zu erzählen. Und die meisten können ihre Gedanken auch zu Papier bringen, auch wenn es anfangs anstrengend erscheinen mag. Wer, aus welchen Gründen auch immer, dazu nicht in der Lage ist, kann seine Geschichte(n) einem Familienangehörigen erzählen und aufschreiben lassen. Nicht großartiger literarischer Stil ist gefragt, sondern etwas hier im Ort selbst Erlebtes.
Im Folgenden eine Auswahl an Fragen und Themen, die von Interesse sind und vielleicht zum Nachdenken anregen. Welche Erinnerungen haben Sie an die Kriegs- und Nachkriegszeit oder an die Wendezeit von 1989/90? Wie und warum sind Sie nach Wilhelmshorst gekommen? Wo haben Sie hier gewohnt? Wie war die Wohnungslage?
Welche Gedanken kommen Ihnen hinsichtlich der Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs? Wo kauften Sie ein, welche (Gewerbe-)Läden gab es? Spezialitäten? Erzählen Sie über Engpässe, Fehlendes oder Gewünschtes. Wie stand es mit der gesundheitlichen Versorgung? Wie gestaltete sich das kulturelle Leben im Ort? Welche öffentlichen Feste und Umzüge gab es, wann und aus welchem Anlass? Gemeindeverwaltung und -politik: Was waren die wesentlichen Vorhaben? Welche großen Konflikte sind zu nennen? Was können Sie über die Tätigkeiten und den Einfluss der örtlichen Parteien, Organisationen und Vereine sagen? Erzählen Sie über Ereignisse rund um das Thema Kindheit und Schule. Welche Schülerstreiche sind unvergesslich geblieben? Welche Jugenderlebnisse haben Sie? Was hieß „Jugend im Sozialismus“? Gab es vielleicht so etwas wie indirekten Jugendprotest im Ort? Welche jugendlichen „Vorbilder“ gab es? Inwieweit wurde „Popkultur“ aufgenommen? Was erinnern Sie an Ihre Berufsausbildung und Arbeit bzw. Arbeitsstätten? Wie und wohin wurde gependelt? Welche Berufe waren in Wilhelmshorst besonders stark vertreten? Was können Sie über frühere Persönlichkeiten des Ortes aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft berichten? Wie wurde in Wilhelmshorst der „Westen“, West-Berlin und die Bundesrepublik wahrgenommen? Welche Kontakte gab es zum „Westen“? Besuche? „Westpakete“? Wie würden Sie Ihre Einstellungen zu den Sowjets umschreiben, zur SU allgemein und den hier stationierten Soldaten speziell? Welche konkreten Kontakte gab es? Erzählen Sie lustige Anekdoten aus Ihrem Leben. Was ist Ihrer Ansicht nach das Besondere, das Einzigartige des Ortes Wilhelmshorst, damals wie heute? Wie sehen Bürger der Nachbarorte Wilhelmshorst? Etc. pp.
Um eines geht es bei alledem aber nicht: Wer meint, auf diese Weise „alte Rechnungen begleichen“ zu können oder jemanden „anschwärzen“ zu müssen, wäre hier an der falschen Adresse. Vielmehr möchten wir Ihnen eine einmalige Chance bieten: Nutzen Sie die Gelegenheit der 100-Jahrfeier, sich jetzt auf ihre Weise in die Ortsgeschichte von Wilhelmshorst einzuschreiben. Denn wer schreibt, der bleibt – in Erinnerung! Jeder noch so kleine Artikel, jede Seite ist wichtig. Es wäre doch wirklich schade, wenn solche Lebensgeschichten verloren gingen. Deshalb: Geben Sie uns Ihre schriftlichen Berichte bis Ende Januar 2006. Wir werden sie vertraulich behandeln und im neu eingerichteten Archiv unserer Arbeitsgemeinschaft im Gemeindehaus aufbewahren. Die besten Geschichten werden nach Rücksprache mit Ihnen in das Buch aufgenommen und 2007 prämiert.
Beim Abfassen der Texte können wir Anregungen und Hilfestellungen geben. Sprechen Sie mit uns! Rufen Sie an, z.B. Wolfgang Linke unter Tel. 033205 / 62667.
Dr. Rainer Paetau
Sprecher der AG Ortsgeschichte Wilhelmshorst

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