Einjähriges Bestehen der Arbeitsgemeinschaft Ortsgeschichte Wilhelmshorst

Ein Werkstattbericht — und Zukunftspläne

Den Anfang machten sieben Wilhelmshorster. Sie waren dem öffentlichen Aufruf des jetzigen Sprechers am 26. September 2001 in die „Alte Turnhalle“ gefolgt und gründeten kurzerhand die unabhängige „Arbeitsgemeinschaft Ortsgeschichte Wilhelmshorst“.

Inzwischen sind rund 20 Personen im engeren wie weiteren Umkreis der „AG Ortsgeschichte“ –so die Kurzbezeichnung –ehrenamtlich tätig. Die organisatorische Federführung liegt beim Sprecher, dem Historiker Dr. R. Paetau, und bei den beiden stellvertretenden Sprechern W. Linke und Frau A. Katritzke; der Sekretär ist D. Kraus.

Den Anlass zur Gründung dieser Arbeitsgemeinschaft hat die im Jahre 2007 anstehende 100-Jahrfeier von Wilhelmshorst geboten. Das erste Ziel besteht daher in der Erarbeitung und Publikation einer Festschrift. Form und Umfang dieser Veröffentlichung hängen von verschiedenen Faktoren ab, nicht zuletzt von der öffentlichen Unterstützung für einen Zuschuss zu den Druckkosten. Dem säkularen historischen Jubiläum würdig, wird ein schönes Buch angestrebt –und nicht lediglich eine heftartige Broschüre.

Im Mittelpunkt dieses Jubiläumsbuches werden zahlreiche historische Aufnahmen stehen. Fotos, um die sich einzelne Geschichten ranken, die einen hohen Wiedererkennungswert haben und die das frühere Ortsbild und Ortsgeschehen anschaulich dokumentieren. Diese meist privaten Fotos aus Familienalben decken querschnittartig den größten Teil der 100jährigen Geschichte ab. In mehreren Artikeln werden einzelne Themen vertiefend behandelt: etwa die Wilhelmshorster Gründerzeit mit ihren zeittypischen, großstädtischen Einflüssen aus Berlin; die interessante Architekturgeschichte dieser Epoche bis hin zu Häuserbiographien; die Schulgeschichte; die Kirchengeschichte; die Feuerwehr; das Vereinsleben und Festefeiern etwa am Beispiel des Sports (Tennis) oder der historischen Jubiläumsfeste; das Gewerbe, der Einzelhandel und die Versorgung; die schwierige Nachkriegszeit seit 1945 mit zahlreichen „Umsiedlern“ bzw. Heimatvertriebenen. Ein Überblick zur verwaltungsrechtlichen und politischen Entwicklung des Ortes gehört selbstverständlich ebenso dazu wie eine Zeittafel mit den wichtigsten Ereignissen. Doch sollen die Menschen des Ortes im Zentrum stehen. So wird sich ein Abschnitt den Erzählungen und Erinnerungen einiger älterer Wilhelmshorster widmen. Dabei werden nicht nur DDR-spezifische Erfahrungen vermittelt. Auch lustige Erlebnisse und Anekdotisches sollen nicht zu kurz kommen. Ein weiteres Kapitel wird in Form von Kurzbiographien bekannte Bürger unseres Ortes vorstellen.

Diese Themenliste ist keineswegs vollständig. Sie soll möglichst lange offen gehalten werden für weitere Vorschläge, genauer: für weitere Mitarbeiter, die ein Thema ihrer Wahl übernehmen und in ständiger Rückkoppelung mit der Arbeitsgemeinschaft selbständig bearbeiten können. Damit wird klar, dass die Jubiläumsschrift nicht „die ganze“ Ortsgeschichte vom Anfang bis zum heutigen Tag widerspiegeln kann –das bleibt eine Aufgabe für die weitere Zukunft. Alles an sich Wünschbare ist angesichts knapper Ressourcen nicht machbar. Vor allem der begrenzte Zeitaufwand, der nebenberuflich und ehrenamtlich betrieben werden kann, zwingt zum pragmatischen Vorgehen und zur mutigen Auswahl. Immerhin erscheint bis Ende 2006 ein aspektreiches Buch zur Wilhelmshorster Geschichte als realistisch –ein bunter Blumenstrauß zum Hundertjährigen, der schön anzusehen ist und möglichst viele erfreuen soll.

Die öffentliche Resonanz und der erfolgversprechende Start der Arbeitsgemeinschaft, auch die freundliche wie konstruktive Teamarbeit haben dazu ermuntert, die systematische Erforschung der allgemeinen Ortsgeschichte auch nach 2007 fortzusetzen. Über die Arbeit an den Quellen „im stillen Kämmerlein“ hinaus wird ein anderer Schwerpunkt in der Vermittlung und Darstellung einzelner Themen in der Öffentlichkeit gesetzt, etwa durch Lichtbilder-Vorträge, Ausstellungen oder den unlängst eingeführten „Spaziergang zur Ortsgeschichte“. Der überraschend gute Besuch der bisherigen Auftakt-Veranstaltungen und der positive Zuspruch von alteingesessenen wie neu zugezogenen Bürgern haben gezeigt, welches große Interesse an der Kulturgeschichte unseres Heimatortes vorhanden ist und wie Geschichte konkret erfahrbar gemacht werden kann. Das hat die Idee reifen lassen, derartige Präsentationen zu bestimmten Einzelthemen der Ortsgeschichte in unregelmäßigen Abständen wieder zu organisieren. Diese Veranstaltungen sollen im Jahr des hundertjährigen Bestehens 2007 in konzentrierter Form öffentlich angeboten werden. Als Folgewirkung kommt etwas Weiteres hinzu. Innerhalb des einen Jahres Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaft sind eine Menge an Unterlagen zu verschiedenen Themen der Ortsgeschichte zusammengetragen worden: zum großen Teil in Form von Kopien, aber auch als originale Dokumente oder andere Sachüberlieferungen wie Fotos. Einige wenige Wilhelmshorster haben ihre Unterlagen der AG Ortsgeschichte sogar als Schenkung übergeben. Das könnte Schule machen, was erwünscht ist. Aus dem abzusehenden Problem, diese diversen Quellen zur Ortsgeschichte nicht „privat“ aufbewahren zu wollen und aus Platzgründen auch nicht zu können, ist die Idee geboren, ein Archiv als öffentliches Gedächtnis für die Wilhelmshorster Bürgerinnen und Bürger einzurichten. Dabei kann es sich nicht um ein Kommunalarchiv der politischen Gemeinde handeln, sondern um ein den daten-schutzrechtlichen Anforderungen genügendes privates Dokumentationszentrum. Die Modalitäten der Übergabe, des Zugangs und der Nutzung wird jeder freiwillige Geber selbst schriftlich festlegen können, wozu Empfehlungen von Experten der AG Ortsgeschichte angeboten werden. Weitere Details zur Gründung und Organisation eines derartigen Archivs sind noch zu klären, so insbesondere die Frage eines sicheren Raumes zur dauerhaften Aufbewahrung. Das bisher Erreichte und die Pläne für die nächste Zukunft haben ein anderes Problem zur Folge: Wie kann die Arbeitsgemeinschaft ihre Kosten decken? Damit kein Zweifel aufkommt: Hier wird ehrenamtlich gearbeitet, professionelles Know-How kostenlos eingebracht, private Ressourcen wie Computer oder Fotoapparate werden entgeltlos zur Verfügung gestellt. Gleichwohl entstehen nicht unerhebliche Kosten für Kopien, Fotografien, Büro- und andere Arbeitsmaterialien. Die AG Ortsgeschichte erhält für ihre laufende Arbeit einen Zuschuss von bisher 500, neuerdings 600 € pro Jahr aus dem Gemeindehaushalt, wofür der Gemeindevertretung zu danken ist. Das finanzielle Fundament ist damit gesichert, doch reicht das nicht aus, die ambitionierten Vorhaben und Ziele der AG Ortsgeschichte effektiv umsetzen zu können. Um eine unabhängige Erforschung und Darstellung der Wilhelmshorster Geschichte zu gewährleisten,

ist deshalb der Weg zur Einrichtung eines Kreises der „Freunde und Förderer der Arbeitsgemeinschaft Ortsgeschichte“ beschritten worden. Diese Initiative wird letztlich in die Gründung eines „eingetragenen Vereins“ münden, damit auch –über die Bürger des Ortes hinaus –institutionelle Finanzierungsquellen erschlossen werden können. Doch bis dahin ist zunächst ein jeder Wilhelmshorster gefragt, die Kulturgeschichte des Ortes mit seinen Möglichkeiten zu unterstützen.

R. Paetau /W. Linke

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