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	<title>Ortsgeschichte Wilhelmshorst &#187; Publikationen</title>
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	<description>der Wilhelmshorster Ortsgeschichte e.V.</description>
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		<title>Zwangsweise in Michendorf. Neue Erkenntnisse über Fremdarbeiter in der Region</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Jun 2010 21:32:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>rainer2010</dc:creator>
				<category><![CDATA[Publikationen]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Rainer Paetau -  Es ist bislang wenig Genaues über Fremdarbeiter bekannt, die während des Zweiten Weltkrieges in der Region Michendorf tätig waren. Entweder wird das Thema eher am Rande gestreift oder tabuisiert. Einige Zeitzeugen wollen in ihren Erinnerungen uns glauben lassen, Fremdarbeiter seien hier gastfreundlich aufgenommen worden. Das Thema changiert zwischen Verdrängung und Legendenbildung. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Von Rainer Paetau -</p>
<p> Es ist bislang wenig Genaues über Fremdarbeiter bekannt, die während des Zweiten Weltkrieges in der Region Michendorf tätig waren. Entweder wird das Thema eher am Rande gestreift oder tabuisiert. Einige Zeitzeugen wollen in ihren Erinnerungen uns glauben lassen, Fremdarbeiter seien hier gastfreundlich aufgenommen worden. Das Thema changiert zwischen Verdrängung und Legendenbildung. Es ist noch in anderer Hinsicht prekär. Geht es doch auch um die Frage einer Wiedergutmachung und Versöhnung. Der notwendige erste Schritt hierfür ist das historische Aufarbeiten des Geschehens.</p>
<p>Akten der kommunalen Pass- und Meldepolizei aus dem ehemaligen Amtsbezirk Saarmund erlauben Einblicke auch für die Region Michendorf. Der Verfasser konnte Hunderte von Meldeformularen über zivile Fremdarbeiter aus den von deutschen Truppen besetzten Gebieten Europas einsehen. Die Unterlagen beziehen sich vor allem auf die Orte Michendorf, Wildenbruch, Langerwisch, Wilhelmshorst und Saarmund. Bei den Fremdarbeitern handelte sich um zivile ausländische Arbeitskräfte innerhalb des Deutschen Reiches. Nur ein kleiner Teil von ihnen war freiwillig hier und nur wenige kollaborierten mit den Nazis. Überliefert sind beispielsweise die Fälle eines Holländers und eines Russen, die mit der NSDAP und SS zusammen arbeiteten. Doch die übergroße Zahl war zwangsverpflichtet – insofern ist in den meisten Fällen treffender von zivilen Zwangsarbeitern zu sprechen.</p>
<p>Ihre Aufgabe bestand darin, als Ersatz für die zum Kriegsdienst einberufenen Männer die deutsche Wirtschaft aufrecht zu halten. Zwangsarbeiter wurden nicht nur bei großen Firmen etwa der Rüstungsindustrie eingesetzt, sondern genauso in der Landwirtschaft, bei Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben sowie in Privathaushalten. Wie sie sich zu verhalten hatten und wie sie von Deutschen zu behandeln waren, regelten mehrere Verordnungen. Sie erhielten für ihre Arbeit einen Lohn, der aber in keinem Verhältnis zu ihrer Leistung stand. Den Ort oder die Gemeinde ihres Arbeitseinsatzes durften sie ohne Genehmigung nicht verlassen. Namentlich die zahlenmäßig überwiegenden „Ostarbeiter“ mussten in der Öffentlichkeit äußerlich sichtbare Kennzeichen tragen, weil sie beispielsweise zu öffentlichen Einrichtungen keinen Zutritt hatten.</p>
<p>Nach den überlieferten Meldeunterlagen kamen viele Zwangsarbeiter bei mittelgroßen Firmen der Region zum Einsatz. Insgesamt weit über 100 waren bei dem Michendorfer Hoch- und Tiefbauunternehmen von Gustav Dübener in den Kriegsjahren beschäftigt, ähnlich viele bei der „Bauhilfe“ der Deutschen Arbeitsfront, die ihr Wohnlager an der Teltower Straße in der Nähe vom Herthasee hatte. Das Reichswirtschaftsministerium führte ein Ostarbeiter-Lager im Wald an der Caputher Straße von Willichslust, das im Herbst 1944 östlich in Richtung Wilhelmshorst verlegt wurde. Das Forstamt Kunersdorf unterhielt Holzbaracken für Zwangsarbeiter bei Michendorf-West am Weg nach Flottstelle sowie in Flottstelle am Schwielowsee. Die Deutsche Reichsbahn, Güterabfertigung Seddin, brachte weit über 100 Zwangsarbeiter im „Haus der Deutschen Arbeit“ mitten in Michendorf unter – heute besser als „Volkshaus“ bekannt, wo demnächst ein privates Theater Premiere feiern wird. Das „Ostministerium“ unter Alfred Rosenberg betrieb eine Arbeitsstelle mit Lagern in den „Patzer Bergen“ bei der Siedlung Six unweit des Seddiner Bahnhofs. Ähnlich errichteten andere Ministerien, Oberbehörden und Unternehmen wegen der zunehmenden Luftangriffe auf Berlin Baracken und Behelfsheime in der Region. So stellte die Reichsbahn Anfang 1944 Büros und Materiallager unmittelbar nördlich vom Bahnhof Wilhelmshorst auf. Der Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt Albert Speer ließ massive Baracken im Spätsommer 1943 am Brunnenplatz bauen, die dort noch bis vor wenigen Jahren standen. Ferner gab es in Saarmund Zwangsarbeiterlager der Firma Pfau &amp; Bielke und des Tiefbauunternehmers Max Kuhmann.</p>
<p>Zu einigen dieser Unternehmen, Selbstständigen und privaten Haushalten lassen sich die Namen der Zwangsarbeiter zuordnen. Exemplarisch ist eine Liste von über 80 Personen allein für Wilhelmshorst, die im Internet einsehbar ist (<a href="http://www.wilhelmshorst-online.de/">www.wilhelmshorst-online.de</a>). Von den Wilhelmshorster Zwangsarbeitern waren rund zwei Drittel Frauen. Die Jüngste, ein Mädchen aus Ungarn, war gerade 15 Jahre alt, ein Pole 16 Jahre. Der Älteste, ein Tscheche, zählte 48 Jahre. Mit 40 Prozent dominierte die Altersklasse der 20-24 Jährigen; die der 20-29 Jährigen machte sogar 55 Prozent aus. Diese Personen sind demnach heute zwischen 80 und 90 Jahre alt. 78 Prozent waren „Ostarbeiter“: Sie stammten vor allem aus Polen, der Sowjetunion und der Ukraine. Die anderen verteilten sich auf Frankreich, Kroatien, Belgien, Holland, die Slowakei, Tschechien, Ungarn, Rumänien, Litauen und Estland. Die Zwangsarbeiter waren hier ganz überwiegend in privaten Haushalten tätig und im Alltagsleben der Deutschen allgegenwärtig. Daher ist die Annahme eines zentralen Wohnlagers in Wilhelmshorst unwahrscheinlich.</p>
<p>Die Deutschen behandelten Zwangsarbeiter, die als Hausgehilfen meist in ihren Häusern wohnten, recht unterschiedlich. Einige wurden von der Ortspolizei oder argwöhnischen Nazi-Nachbarn ermahnt, die Zwangsarbeiter als Feinde zu betrachten und enge, persönliche Kontakte zu unterlassen. In den Akten wird ein Fall erwähnt, dass ein hiesiger Bauarbeiter ein Verhältnis zu einer Russin hatte, mit ihr ein Kind zeugte und zu seiner Vaterschaft auch stand gegen öffentliche Anfeindungen. Andere Deutsche wiederum mussten sich belehren lassen, ihre Zwangsarbeiter besser zu behandeln, um deren Leistungskraft für die Wirtschaft zu erhalten ‑ in einem Fall wurde deswegen sogar die Gestapo aus Potsdam vorstellig. Das Verhaltensspektrum war also ziemlich breit.</p>
<p> <em>Foto: Von Zwangsarbeitern produzierte Behelfsheime wie in Michendorf am Tulpenweg werden heute noch genutzt.</em></p>
<p><em>Aus: Märkische Allgemeine Zeitung vom 16. Juni 2010.</em></p>
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		<title>„Wir sind das Volk“ &#8211; Erinnerungen an den „Mauerfall“ und die Friedliche Revolution 1989/90  in der Region Michendorf</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Oct 2009 05:56:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Publikationen]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte und Geschichtsquellen]]></category>
		<category><![CDATA[Grenze]]></category>
		<category><![CDATA[Mauer]]></category>
		<category><![CDATA[Mauerfall]]></category>
		<category><![CDATA[Ost]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Fall des Eisernen Vorhangs in Europa und Deutschland wie der Mauer in Berlin im Zuge des politischen Auf- und Umbruchs 1989 war ebenso unglaublich wie revolutionär mit weitreichenden Folgen. Dieses „wahnsinnige“ Ereignis ist 20 Jahre danach Grund zur Freude und zum Feiern, aber auch zum Innehalten und zur Rückschau. Deshalb hatten die „Freunde und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Fall des Eisernen Vorhangs in Europa und Deutschland wie der Mauer in Berlin im Zuge des politischen Auf- und Umbruchs 1989 war ebenso unglaublich wie revolutionär mit weitreichenden Folgen. Dieses „wahnsinnige“ Ereignis ist 20 Jahre danach Grund zur Freude und zum Feiern, aber auch zum Innehalten und zur Rückschau.<br />
<span id="more-396"></span><br />
Deshalb hatten die „Freunde und Förderer der Wilhelmshorster Ortsgeschichte“ Zeitzeugen aus der Region Michendorf am 10. Oktober ins Gemeindezentrum nach Wilhelmshorst geladen, um ihre Erlebnisse zu hören und die Motive ihres damaligen Handelns zu verstehen. Diese Erinnerungsberichte zogen etwa 60 Zuhörer in ihren Bann, darunter die Landtagsabgeordneten Saskia Funck und Susanne Melior sowie die Bürgermeisterin Cornelia Jung. </p>
<p>Den Auftakt machte Bernd Blumrich aus Kleinmachnow, ein ehemaliger Wilhelmshorster. Der seit 1977 tätige Fotograf hatte 1989/90 das Geschehen in der Region mit einem Schwerpunkt auf Potsdam im Bild fest gehalten. Versehen mit seinen Kommentaren zu diesen Bild-Erlebnissen, hat er daraus ein Buch gemacht („LinienUntreue“). Chronologisch orientiert setzte Blumrich den Rahmen für das allgemeine wie regionalspezifische Geschehen im Herbst 1989. </p>
<p><div id="attachment_398" class="wp-caption alignleft" style="width: 410px"><img src="http://wilhelmshorst-online.de/wp-content/uploads/maerfall.jpg" alt="Plakat Mauerfall 2009" title="Plakat Mauerfall 2009" width="400" height="566" class="size-full wp-image-398" /><p class="wp-caption-text">Plakat zur Veranstaltung 20 Jahre Mauerfall 2009</p></div> Der ehemalige Rektor der Ausbildungsstätte für Gemeindediakonie und Sozialarbeit im Potsdamer Civil-Waisenhaus, Frieder Burkhardt aus Langerwisch, berichtete über frühes oppositionelles Verhalten von kirchlichen Studenten. Ihre „Politisierung“ erhielt durch die Reaktion von SED-Funktionären auf das Massaker vom „Platz des Himmlischen Friedens“ in Peking Anfang Juni 1989 einen entscheidenden Schub. Einfühlsam beschrieb Burkhardt die Ängste eines Vaters, dessen Sohn in die Hände von Volkspolizei und Staatssicherheit geraten war. </p>
<p>Mit literarisch-rhetorischem Geschick glänzte Torsten Lodni aus Langerwisch. Er hatte als 15-Jähriger zusammen mit Schulfreunden eine Fotoausstellung zum 40. Jahrestag der DDR am 7. Oktober 1989 in der Wilhelmshorster „Camillo-Scariot-Oberschule“ vorbereitet &#8211; und eckte damit bei der SED-Ortsparteileitung gewaltig an. Die Wandzeitung und Fotos einer verfallenen Altstadt wurden konfisziert, die Schüler scharf zur Rede gestellt (vgl. Bericht in der MAZ vom 12.10.2009). </p>
<p>Die Wilhelmshorster Lehrerin Ruth Bockisch berichtete von Ängsten in der Eltern- und Lehrerschaft, angesichts kaum abwägbarer Risiken eine Schülerabordnung zu den zentralen Feiern zum 40. Jahrestag der DDR am 7. Oktober nach Berlin zu entsenden, was letztlich aus Sicherheitsgründen unterblieb. Und Anfang November, noch vor dem Fall der Mauer, gab es von Wilhelmshorster Lehrern Initiativen, den Lehrplan zu reformieren mit Hilfe eines „offenen Briefes“ an die Gewerkschaft Unterricht und Erziehung. </p>
<p>Ulrich Kling aus Wilhelmshorst las aus einem Buch vor, in dem seine aus zahlreichen Filmen gut bekannte Tochter Anja ihre Erlebnisse über die aufregende Flucht der Geschwister in die Bundesrepublik Anfang November 1989 beschrieben hat. Für die traurige Familie damals unvorstellbar, dass ein Happyend bald folgen sollte. </p>
<p>Der seit 1987 als Pastor in Michendorf tätige Uwe Breithor erzählte sehr dicht und spannend über seine Erlebnisse mit Jugendlichen und besorgten Christen im Herbst 1989. Er selbst sei von kirchlich-staatlichen Aufsichtspersonen unter Druck gesetzt worden, dem er aber standhielt. Seinem öffentlichen Ansehen sollte das später zugute kommen. </p>
<p>Die 1989 junge Mutter Susanne Melior aus Langerwisch, inzwischen als Landtagsabgeordnete der SPD landesweit bekannt, berichtete über Unsicherheiten, Gefahren und Ängste, die sie als Mitbegründerin der SDP, der Sozialdemokratischen Partei in der DDR, in der Region Michendorf im Herbst 1989 belasteten. Ihr Weg führte von der Kirche über das Neue Forum zur Sozialdemokratie als politische Mitgestalterin des revolutionären Umbruchs. </p>
<p>Aus Zeitgründen wurden weitere Beiträge zurück gestellt, etwa ein Bericht über die Rekruten-Demonstration in der Grenztruppen-Hundeschule („SaGo“-Gelände an der B 2) Anfang Dezember 1989. Sie alle werden in eine Publikation der neuen Reihe „Hefte zur Wilhelmshorster Ortsgeschichte“ eingehen und sind dann ausführlich nachzulesen. Dazu gehören auch mehrere Kurzerzählungen, wie die Betreffenden das historische Ereignis des „Mauerfalls“ in der Nacht vom 9. zum 10. November 1989 erlebten, in „Ost“ wie „West“. </p>
<p>Im Anschluss an die Erinnerungsberichte konnten in den Räumen des Gemeindezentrums Dokumente, Fotos und Kunstobjekte besichtigt werden, die mit den Vorträgen in direkter Beziehung stehen, die etwas zum Umgang mit dieser Geschichte als Überreste (z.B. dem mauerbewehrten Grenzsystem) aussagen oder die zeigen, wie Künstler der Region sich des historischen Themas angenommen haben (kuratiert von Horst Halling).</p>
<p>Weitere Veranstaltungen zum Umbruch 1989/90 sind geplant, so die Vorführung von zwei Dokumentarfilmen am 5./6. Dezember. Die Ausstellung bleibt für die interessierte Öffentlichkeit einstweilen bestehen. Schulen der Gemeinde Michendorf können Sonderführungen vereinbaren. </p>
<p><em>Rainer Paetau</em></p>
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		<title>Auf den Spuren der Vergangenheit &#8211; Die Wiederkehr der Geschichte</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Jul 2007 12:52:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Publikationen]]></category>

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		<description><![CDATA[1. Ortsgründung als Prozess Wilhelmshorst wurde 1907 nicht „gegründet“ – nicht in dem Sinne, dass in diesem Jahr ein Gründungsakt stattgefunden hätte oder eine Gründungsurkunde ausgestellt worden sei. Vielmehr legte der Kaufmann Wilhelm Mühler aus (Berlin-)Charlottenburg 1907 offiziell bei den Behörden einen Parzellierungsplan vor. Dieser stellte die formale Grundlage dar, nach dem Wilhelmshorst(-Nord) im Wesentlichen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>1. Ortsgründung als Prozess </p>
<p>Wilhelmshorst wurde 1907 nicht „gegründet“ – nicht in dem Sinne, dass in diesem Jahr ein Gründungsakt stattgefunden hätte oder eine Gründungsurkunde ausgestellt worden sei. Vielmehr legte der Kaufmann Wilhelm Mühler aus (Berlin-)Charlottenburg 1907 offiziell bei den Behörden einen Parzellierungsplan vor. Dieser stellte die formale Grundlage dar, nach dem Wilhelmshorst(-Nord) im Wesentlichen bis heute hin besiedelt worden ist. Deshalb galt für die Gründergeneration 1907 zu Recht als „Geburtsjahr“ dieser Kolonie.<br />
Entdeckt wurde das Gebiet am Fuße der „Schöne Berge“ nördlich von Neu-Langerwisch, wozu es damals gehörte, bereits 1903 von dem Architekten Gustav Winkler aus (Berlin-)Schöneberg. Er ließ sich hier mit seiner Familie in einer mobilen Unterkunft, dem legendären Eisenbahnwaggon, während der Sommermonate nieder. Winkler kann als Entdecker und erster Bewohner von Wilhelmshorst gelten. Der kurz danach erscheinende Mühler hingegen war der Ortsgründer im Sinne eines Projektentwicklers, der die Besiedlung in Gang setzte.<br />
Für die Erschließung des Gebietes südlich der früheren „Wetzlarer Bahn“ (Berlin–Dessau) war die Wilhelmshorster Grundstücksgesellschaft GmbH zuständig. Sie legte 1911 einen Parzellierungsplan vor, der die Handschrift des renommierten Architekten Albert Gessner aus (Berlin-)Charlottenburg trug. Er entwarf eine größere Zahl von Landhäusern rund um den Irissee, den Bahnhof und den Bahnhofsvorplatz (Birkenwäldchen). Die Mehrzahl seiner Bauten steht heute unter Denkmalschutz. </p>
<p>2. Ein „Berliner Kindl“ </p>
<p>Wilhelmshorst ist ein „Berliner Kindl“. Denn es waren Berliner bzw. Bewohner aus Charlottenburg oder Schöneberg, die den Ort gründeten und in den folgenden Jahrzehnten besiedelten. In der Mehrzahl handelte es sich um Angehörige der oberen Mittelschichten, teilweise auch der Oberschichten. Eine urbane Funktionselite sowie Freischaffende zogen seit der Jahrhundertwende aus der unwirtlichen Großstadt hinaus ins Grüne, vielfach junge Familien mit Kindern. So entstanden eine Reihe von Landhauskolonien und „Gartenstädten“ rund um Berlin, an der „suburbanen Peripherie“. Je abwechselungsreicher die Naturlage und je besser die Verkehrsanbindung ins Stadtzentrum, desto attraktiver der Standort, desto größer das Entwicklungspotential dieser neuen Siedlungen. Das traf besonders für den Raum südwestlich Berlins zu. Ohne die 1879 in Betrieb genommene „Wetzlarer Bahn“ gäbe es kein Wilhelmshorst, jedenfalls nicht an diesem Standort. Ein weiterer Lagevorteil war die Nähe zu Potsdam, zur Sommerresidenz der Hohenzollern-Könige Preußens. Natur und Kultur waren hier eng verknüpft. </p>
<p>3. Suburbanität </p>
<p>Zwischen „Mark“ und Metropole, vor den Toren der Hauptstadt: Das kennzeichnet die Lage der Landhaus- und Gartenstadtkolonie Wilhelmshorst seit der Gründung – und im Grunde bis heute hin oder seit 1990 verstärkt wieder. Die enge, vor allem beruflich bedingte Beziehung vieler Wilhelmshorster zu Berlin prägte den „suburbanen“ Charakter der Kolonie, erklärt ihre Sozialstruktur, die Mentalität der Bewohner und ihr Verhalten bis<br />
hin zum Wählerverhalten. Die meisten Wilhelmshorster waren überdurchschnittlich qualifiziert, viele mit akademischer Ausbildung. Daher leitet sich der höhere Anteil derer ab, die in der Regierungsverwaltung, in Oberbehörden und in Bildungsinstituten der Hauptstadt tätig waren. Kurz: Die geplante Neugründung in relativer Nähe zum Zentrum der Hauptstadt in Verbindung mit einer spezifischen Sozialstruktur erklärt, warum Wilhelmshorst immer etwas Anderes (nicht: Besseres) gewesen ist als die über Jahrhunderte langsam gewachsenen Dörfer der Umgebung. </p>
<p>4. Wechsel der Bevölkerungsstrukturen </p>
<p>Freilich hatte die enge Berlin-Beziehung der Wilhelmshorster auch eine zweite, eine Kehrseite. Da viele Bürger zu den Trägern des jeweiligen politischen und gesellschaftlichen Systems gehörten, spiegelt der Ort im Kleinen die wechselhafte Geschichte der deutschen Hauptstadt im 20. Jahrhundert. Die politischen und wirtschaftlichen Brüche und Neuanfänge von 1918/19, 1933 und 1945/49 wie von 1989/90 hatten zur Folge, dass die Wilhelmshorster Bevölkerung sich stark änderte: weniger in absoluten Zahlen als vielmehr von der Zusammensetzung, der Struktur her. Dabei verursachten die Ereignisse von 1945 und 1989/90 die tiefsten Einschnitte. Dieser Wechsel der Bevölkerung umfasste auch den Austausch der jeweiligen politischen Funktionsträger, in der NS-Zeit genauso wie in der DDR-Zeit und seit 1990. Das macht die hiesige Ortsgeschichte so spannend wie schwierig. </p>
<p>5. Auswirkungen der Deutschen Teilung </p>
<p>So hinterließen die Nachkriegszeit mit Kaltem Krieg und Teilung Berlins, insbesondere die Einmauerung West-Berlins seit 1961 in Wilhelmshorst deutliche Spuren. Die normalen Stadt-Umland-Beziehungen wurden zunächst unterhöhlt, dann unterbrochen: ehemalige Nazi-Systemträger kamen nicht mehr zurück; andere verließen aus Angst vor den Sowjets bzw. dem Kommunismus den Ort und setzten sich in den Westen ab („Westgrundstücke“); politische Gängelung und Mangelwirtschaft taten ein Übriges. So stagnierte die Wilhelmshorster Bevölkerungszahl bzw. entwickelte sich rückläufig bis zur Wende. Dieser Verlust an Freiheit, Kommunikation und Lebensstandard konnte durch Nichts kompensiert werden, schon gar nicht durch irgendeine Ideologie. Und da das Zentrum Ost-Berlins weiter entfernt lag, nahm der groß- und hauptstädtische Einfluss ab und der des mittelstädtischen Potsdams relativ zu. Gerade die drei Jahrzehnte einer bleiernen Stagnation seit 1961 wurden als solche auch empfunden und führten in vielen Fällen zur inneren Emigration, zum Rückzug in Alltagsnischen oder zum „Sich-Arrangieren“ mit dem SED-System. Typisches Kennzeichen für diese Phase der Ortsgeschichte war, dass die CDU den Bürgermeister stellte und die SED den Stellvertreter. Das erlaubte gewisse Spielräume wie den Bau des Tennisplatzes 1971–73 und setzte doch Grenzen, denn die Macht der SED durfte grundsätzlich nicht in Frage gestellt werden. </p>
<p>6. Wiederkehr der Geschichte </p>
<p>Die Wiederkehr der Geschichte erfolgte mit der politischen Wende von 1989/90: Die regulären Stadt-Umland-Beziehungen haben sich in Wilhelmshorst seitdem neu eingependelt. Wiederum erfolgte ein großer Austausch der Bevölkerung, nicht sofort, aber allmählich innerhalb von 10 bis 15 Jahren. Die Zahl der Grundstücks-Rückübertragungen ist vergleichsweise hoch gewesen. Berliner und andere Stadtbewohner ziehen wieder zu. Der Ort expandiert mit all den bekannten Konsequenzen. Lebten Ende 1990 hier rund 1800 Einwohner, stieg deren Zahl bis Ende 2006 auf 2800. Es sind vor allem wieder junge Familien, zum Teil auch frisch Pensionierte und meist gut Ausgebildete, die sich vor den Toren der Hauptstadt in naturnaher Umgebung niederlassen. Dabei ist das<br />
Wilhelmshorster Siedlungspotential nicht ausgeschöpft – es gibt noch immer zahlreiche Grundstücke zur Lückenbebauung im Innenbereich. </p>
<p>7. Architekturen </p>
<p>Wilhelmshorst wurde als Gartenstadt- und Landhauskolonie gegründet. Die Zahl der Villen blieb auf Einzelfälle begrenzt. Es dominierte das Einfamilienhaus. Daneben gab es eine größere Zahl von einfachen Sommer- und Gartenhäusern, die saisonal vom Frühsommer bis zum Herbst genutzt wurden, manchmal auch nur am Wochenende. Eine ganze Reihe von Grundstücken blieb unbebaut. Da es keinen starren Bebauungsplan gab und gibt, sind in Wilhelmshorst unterschiedliche, manchmal gegensätzliche Baustile vorhanden – so kam um 1930 das Wort vom „Schlachtfeld der Architekten“ auf. Architekturhistorische Bedeutung haben einige Objekte des „Neuen Bauens“ aus der Zeit der Weimarer Republik, als aus der Not heraus auch mit neuen Baustoffen experimentiert wurde (Beispiel „Kupferhaus“). Vorherrschend sind in Wilhelmshorst indes Varianten der um 1900 aufgekommenen Heimatschutz-Architektur, die bis in die 1930er Jahre reichte. Deren Flair ist heute wieder zu spüren, nachdem diese Häuser meist vorsichtig restauriert worden sind. Gleichzeitig prägen seit 1990 wiederum unterschiedlich „moderne“ Bauten das Gesicht des Ortes.<br />
Die Grundstücke wiesen ursprünglich eine durchschnittliche Größe von rund 2500 qm auf; manche hatten die doppelte Größe, nur wenige reichten an 10.000 qm heran. Später und forciert seit 1990 sind die meisten Grundstücke geteilt worden, nicht zuletzt aus Kostengründen. Flächen von 800 bis 1300 qm gelten seitdem als akzeptable Größe, um den Charakter einer Waldsiedlung nicht zu gefährden. </p>
<p>8. Werden und Wandel einer Waldsiedlung </p>
<p>Wilhelmshorst war anfangs keine Waldsiedlung bzw. dies nur zum kleineren Teil. Am Fuße der „Schöne Berge“ gab es große Areale, die wegen des Sanderbodens einer typischen Heidelandschaft glichen: mit Heidekraut, Wacholder, Büschen und einzelnen Kiefern. Zur Waldsiedlung ist Wilhelmshorst erst geworden, etwa durch Aufforstung oder durch Renaturierung von unbebauten und nach 1945 „verlassenen“ Grundstücken. Deshalb dürfte der „Wald“-Anteil auf dem Siedlungsgebiet in den 1980er Jahren am dichtesten gewesen sein, als die Bevölkerungszahl stagnierte und Holz nicht notwendig als Heizmaterial wie in den Nachkriegsjahren und den Jahrzehnten zuvor benötigt wurde.<br />
Die Zunahme der Bevölkerung und die verdichtete Bebauung seit 1990 in Verbindung mit Grundstücksteilungen führen zwangsläufig zu einer Verminderung des Baumbestandes, ohne dass der Ort deswegen seinen Flair als Waldsiedlung verlieren muss. Dieser grundsätzliche Zielkonflikt erfordert ein vernünftiges Austarieren der Interessen. Totalabholzungen ganzer Grundstücke, wie sie – zum Glück nur in Einzelfällen – vorgekommen sind, widersprechen jedenfalls dem Leitbild einer Waldsiedlung. </p>
<p>9. Kulturgeschichtliche Verluste </p>
<p>Die engen Beziehungen der Wilhelmshorster mit der Berliner Hauptstadtgeschichte und ihren Brüchen des 20. Jahrhunderts, die vor allem nach 1945 und nach 1990 zu einem tiefgehenden Austausch der Bevölkerung führten, hatten auch zur Folge, dass im Ort Überlieferungen und Traditionen verloren gegangen sind – bis hin zum Verlust von Gemeindeakten und Erfahrungswissen über die Ortsgeschichte. Umso wichtiger ist es, weit verstreute Unterlagen und Gegenstände zur Orts- und Kulturgeschichte neu zu sammeln und aufzubewahren. Hier liegt auch einer der Gründe, warum bestimmte, gerade „sensible“ Themen der Ortsgeschichte noch aufzuarbeiten bleiben. </p>
<p>10. Die Gegenwart der Vergangenheit </p>
<p>Die doch weithin zu beobachtende Tendenz, die eigene(n) Vergangenheit(en) „in den Müll zu werfen“ – was durchaus wörtlich zu nehmen ist – und bewusst oder unbewusst „vergessen“ zu wollen, mag vielleicht in einigen Fällen verständlich erscheinen, ist letztendlich aber kontraproduktiv. Geschichte wirkt in solchen Fällen bedrückend weiter. Erst wenn vergangenes Geschehen wirklich aufgearbeitet und erinnert wird, ist es auch vergangen. Spätestens unsere Kinder und Enkel, die irgendwann wissen wollen, wo ihre Eltern und Großeltern herkommen und was sie „damals“ gemacht haben, werden der potentiellen Erinnerungslosigkeit auf die Spur kommen und uns den Spiegel vorhalten, ob lebend oder tot. Deshalb tun wir gut daran, unsere Vergangenheit so anzunehmen, wie sie nun einmal war. Lassen wir uns auf die Vielfalt der Vergangenheiten ein, die jeder auf seine Weise erlebt hat. Vor allem aber: Geschichte ist immer beides – Glück und Unglück, Last und Befreiung. Selten ist sie ein einfaches Schwarz oder Weiß, sondern meist ein verschwimmendes Grau. Einer Tatsache können wir jedenfalls nicht entgehen: Wir sind, was wir geworden sind. </p>
<p>Wolfgang Linke / Rainer Paetau &#8211; Märkischer Bogen</p>
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		<title>Gesucht: Wilhelmshorster Erinnerungen Wer berichtet über seine Erlebnisse aus der Zeit vor 1990?</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Dec 2005 15:24:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Inzwischen dürfte es sich in der Gemeinde herumgesprochen haben: Wilhelmshorst will 2007 sein Hundertjähriges feiern. Doch es soll nicht nur gefeiert, sondern auch etwas Bleibendes für die Zukunft des 21. Jahrhunderts hinterlassen werden. So nimmt die AG Ortsgeschichte dieses Ereignis zum Anlass, ein Jubiläumsbuch zu veröffentlichen. In diesem Buch werden die großen Entwicklungslinien des Ortes [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Inzwischen dürfte es sich in der Gemeinde herumgesprochen haben: Wilhelmshorst will 2007 sein Hundertjähriges feiern. Doch es soll nicht nur gefeiert, sondern auch etwas Bleibendes für die Zukunft des 21. Jahrhunderts hinterlassen werden. So nimmt die AG Ortsgeschichte dieses Ereignis zum Anlass, ein Jubiläumsbuch zu veröffentlichen.<br />
In diesem Buch werden die großen Entwicklungslinien des Ortes von der Gründung bis zum neuen Aufschwung seit 1990 skizziert. Da sich in Wilhelmshorst aufgrund seiner spezifischen Bevölkerungsstruktur die politischen Systemwechsel der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts wie im Brennglas spiegeln, verspricht die Darstellung dieser Zäsuren Spannendes. Genauso wichtig sind aber auch Berichte über den ganz normalen Alltag. Waren es doch die alltäglichen Dinge, Probleme und Sorgen, die die längste Zeit das Leben der jeweiligen Generationen prägte. Doch was ist von all dem bei den heute Lebenden noch in Erinnerung?<br />
Zweierlei soll im Zentrum das Jubiläumsbuches, woran derzeit mehrere Autoren schreiben, stehen. Einmal eine Vielzahl von seltenen Abbildungen oder Fotos, die selbst ein wichtiger Teil der Kulturgeschichte des Ortes sind und weiterhin zum Nachforschen über das Dargestellte anregen. Deshalb eine dringende Bitte an unsere Leser: Sichten Sie Ihre Alben und Unterlagen umgehend nach Fotos, die für die Ortsgeschichte eine Bedeutung haben können. Nur wenn wir jetzt diese Fotos kurzfristig zum Kopieren bzw. Scannen erhalten, können sie noch in das Buch aufgenommen werden.<br />
Zweitens sollen persönliche Erlebnisberichte das „Salz in der Suppe“ sein, Erinnerungen an Personen, Ereignisse und kleine Begebenheiten von ehemaligen oder heute hier lebenden Wilhelmshorster Bürgern. Schauen Sie sich doch bitte Ihre alten Fotos an – vielleicht werden schlummernde Erinnerungen wachgerufen und können mit einer kleinen Erlebnis-Geschichte verbunden werden. Herausgeber und Autoren des Jubiläumsbuches laden jedenfalls alle Erzähl- und Schreibwilligen ein, ganz persönlich zur Bewahrung des lokalen Gedächtnisses beizutragen.<br />
Im Prinzip hat jeder etwas zu erzählen. Und die meisten können ihre Gedanken auch zu Papier bringen, auch wenn es anfangs anstrengend erscheinen mag. Wer, aus welchen Gründen auch immer, dazu nicht in der Lage ist, kann seine Geschichte(n) einem Familienangehörigen erzählen und aufschreiben lassen. Nicht großartiger literarischer Stil ist gefragt, sondern etwas hier im Ort selbst Erlebtes.<br />
Im Folgenden eine Auswahl an Fragen und Themen, die von Interesse sind und vielleicht zum Nachdenken anregen. Welche Erinnerungen haben Sie an die Kriegs- und Nachkriegszeit oder an die Wendezeit von 1989/90? Wie und warum sind Sie nach Wilhelmshorst gekommen? Wo haben Sie hier gewohnt? Wie war die Wohnungslage?<br />
Welche Gedanken kommen Ihnen hinsichtlich der Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs? Wo kauften Sie ein, welche (Gewerbe-)Läden gab es? Spezialitäten? Erzählen Sie über Engpässe, Fehlendes oder Gewünschtes.  Wie stand es mit der gesundheitlichen Versorgung? Wie gestaltete sich das kulturelle Leben im Ort? Welche öffentlichen Feste und Umzüge gab es, wann und aus welchem Anlass?  Gemeindeverwaltung und -politik: Was waren die wesentlichen Vorhaben? Welche großen Konflikte sind zu nennen? Was können Sie über die Tätigkeiten und den Einfluss der örtlichen Parteien, Organisationen und Vereine sagen?  Erzählen Sie über Ereignisse rund um das Thema Kindheit und Schule. Welche Schülerstreiche sind unvergesslich geblieben? Welche Jugenderlebnisse haben Sie? Was hieß „Jugend im Sozialismus“? Gab es vielleicht so etwas wie indirekten Jugendprotest im Ort? Welche jugendlichen „Vorbilder“ gab es? Inwieweit wurde „Popkultur“ aufgenommen? Was erinnern Sie an Ihre Berufsausbildung und Arbeit bzw. Arbeitsstätten? Wie und wohin wurde gependelt? Welche Berufe waren in Wilhelmshorst besonders stark vertreten? Was können Sie über frühere Persönlichkeiten des Ortes aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft berichten? Wie wurde in Wilhelmshorst der „Westen“, West-Berlin und die Bundesrepublik wahrgenommen? Welche Kontakte gab es zum „Westen“? Besuche? „Westpakete“? Wie würden Sie Ihre Einstellungen zu den Sowjets umschreiben, zur SU allgemein und den hier stationierten Soldaten speziell? Welche konkreten Kontakte gab es?  Erzählen Sie lustige Anekdoten aus Ihrem Leben. Was ist Ihrer Ansicht nach das Besondere, das Einzigartige des Ortes Wilhelmshorst, damals wie heute? Wie sehen Bürger der Nachbarorte Wilhelmshorst? Etc. pp.<br />
Um eines geht es bei alledem aber nicht: Wer meint, auf diese Weise „alte Rechnungen begleichen“ zu können oder jemanden „anschwärzen“ zu müssen, wäre hier an der falschen Adresse. Vielmehr möchten wir Ihnen eine einmalige Chance bieten: Nutzen Sie die Gelegenheit der 100-Jahrfeier, sich jetzt auf ihre Weise in die Ortsgeschichte von Wilhelmshorst einzuschreiben. Denn wer schreibt, der bleibt – in Erinnerung! Jeder noch so kleine Artikel, jede Seite ist wichtig. Es wäre doch wirklich schade, wenn solche Lebensgeschichten verloren gingen. Deshalb: Geben Sie uns Ihre schriftlichen Berichte bis Ende Januar 2006. Wir werden sie vertraulich behandeln und im neu eingerichteten Archiv unserer Arbeitsgemeinschaft im Gemeindehaus aufbewahren. Die besten Geschichten werden nach Rücksprache mit Ihnen in das Buch aufgenommen und 2007 prämiert.<br />
Beim Abfassen der Texte können wir Anregungen und Hilfestellungen geben. Sprechen Sie mit uns! Rufen Sie an, z.B. Wolfgang Linke unter Tel. 033205 / 62667.<br />
Dr. Rainer Paetau<br />
Sprecher der AG Ortsgeschichte Wilhelmshorst </p>
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		<title>Wilhelmshorster Ortsjubiläen: Relativ beliebig? Was 2007 eigentlich gefeiert werden soll</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Apr 2005 15:27:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Publikationen]]></category>

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		<description><![CDATA[Was 2007 eigentlich gefeiert werden soll In diesem Einstein-Jahr 2005 ist der Begriff „relativ“ landauf, landab überall zu hören, in allen möglichen und unmöglichen Zusammenhängen. Sollte diese modische Tendenz anhalten, könnte der Begriff der Relativität sogar noch zum Wort des Jahres gekürt werden. Wilhelmshorster würden hierfür dann einen Beitrag geleistet haben. Denn die relative Nähe [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Was 2007 eigentlich gefeiert werden soll </strong><br />
In diesem Einstein-Jahr 2005 ist der Begriff „relativ“ landauf, landab überall zu hören, in allen möglichen und unmöglichen Zusammenhängen. Sollte diese modische Tendenz anhalten, könnte der Begriff der Relativität sogar noch zum Wort des Jahres gekürt werden. Wilhelmshorster würden hierfür dann einen Beitrag geleistet haben. Denn die relative Nähe zu Einsteins Sommerhaus in Caputh scheint hier zu relativen Irritationen geführt zu haben – etwa über die Frage, welches Jubiläum denn 2007 eigentlich gefeiert werden soll? Dies ist jedenfalls eine Erfahrung von mehreren, die aus der Ende Februar geschlossenen ersten Ausstellung der Arbeitsgemeinschaft Ortsgeschichte zu den „Historischen Ortsjubiläen“ gewonnen werden kann.<br />
In der Tat kursieren „kritische Fragen“ zum Problem der historischen Jubiläen: Wann wurde Wilhelmshorst eigentlich „gegründet“? Was soll denn 1907 konkret geschehen sein? Seit wann gibt es eigentlich den Ortsnamen „Wilhelmshorst“? Müsste nicht, wie vornehmlich Juristen argumentieren, die Rechtsverleihung als eigenständige Gemeinde als das eigentliche Geburtsdatum von Wilhelmshorst angesehen und entsprechend gewürdigt werden? Und wann war das? Fragen zur Ortshistorie tun sich da auf einmal auf, die auf den ersten Blick relativ verunsichern können. Damit nicht genug: Gerade viele Neubürger, die auf ihrem alltäglichen Weg zur Arbeit in Berlin in Richtung Bahnhof gehen, kommen an einem schön erhaltenen kleinen Haus mit halbrundem Vorbau vorbei (An der Bahn 20). Dort prangt gut sichtbar die Jahreszahl „1905“. Messerscharf wird auf das Baujahr dieses Hauses geschlossen. Muss also – so fragen diese Neubürger neugierig – nicht schon in diesem Jahr 2005 der 100. Geburtstag von Wilhelmshorst gefeiert werden? Andere versuchen diesen Einwurf zu übertrumpfen mit dem Hinweis, es sei wohl bereits vor 1905 auf dem hiesigen Gelände „gesiedelt“ worden. Das lässt dann die hämische Sorge aufkommen, ob wir Wilhelmshorster unseren Hundersten etwa bereits verpasst, quasi ahnungslos verschlafen haben? Um auf dieses Bündel von Fragen in aller Kürze eingehen zu können, lassen wir die „harten“ historischen Fakten sprechen, soweit sie bis heute bekannt und aus zuverlässigen Quellen belegbar sind. </p>
<p>1. Der Siedlungs-Ort und die politische Gemeinde sind bekanntlich keine identischen Einheiten. Im Unterschied zum Ort lässt sich die Gründung von Wilhelmshorst als eigenständige, souveräne Gemeinde durch Abtrennung von der Gemeinde Neu-Langerwisch eindeutig datieren. Sie erfolgte mit der Genehmigungs-Urkunde der Staatsregierung Preußens zum 1. April 1925. Das war vor genau 80 Jahren! Grund genug, in diesen Tagen daran zu erinnern. Denn dieses Ereignis ist öffentlich so gut wie in Vergessenheit geraten. Dabei hätte es durchaus zum Anlass für historische Gedenk- oder Jubiläumsfeiern genommen werden können, was aber nicht geschehen ist. Nur zum 10-Jährigen 1935 wurde eine Feier veranstaltet. Die noch bis vor kurzem aufgewühlten Diskussionen um die kommunale Fusion zur neuen Gemeinde Michendorf stehen jedenfalls im auffallenden Kontrast zum öffentlichen Vergessen über die Gründung als souveräne Gemeinde Wilhelmshorst im Jahre 1925.<br />
2. (Ge-)Denkwürdig ist auch die amtliche Namensverleihung „Wilhelmshorst“. Sie wurde vom Regierungspräsidenten in Potsdam unter Zustimmung des preußischen Innenministeriums im Mai 1911 rechtswirksam öffentlich bekannt gemacht. Den Ortsnamen gab es freilich schon vorher. Im Schriftverkehr der Verwaltungsbehörden beispielsweise wurde „Wilhelmshorst“ nachweislich im Jahre 1907 verwendet.<br />
3. Einen auf ein Jahr oder gar den Tag genau zu datierenden Gründungsakt hat es für den Siedlungs-Ort Wilhelmshorst – im Unterschied zur Gemeinde Wilhelmshorst – nicht gegeben. Insofern sind entsprechende, immer wieder zu lesende Formulierungen relativ ungenau und irreführend, dass Wilhelmshorst 1907 „gegründet“ worden sei. Vielmehr handelt es sich im vorliegenden Falle um einen Gründungsprozess, der sich über mehrere Jahre erstreckte und seit 1910/11 auch das Areal des heutigen Wilhelmshorst-Süd umfasste. Wenn von der „Entdeckung“ dieses Gebietes am Fuß der Schönen-Berge durch den Architekten und Baumeister Gustav Winkler aus (Berlin-)Schöneberg und dessen legendären Transport eines Eisenbahnwaggons als saisonale Unterkunft hierher abgesehen wird, begann dieser Gründungsprozess 1905. Für dieses Jahr sind vor allem zwei Maßnahmen zu nennen. Einmal ein erfolglos gebliebener Siedlungsplan Gustav Winklers und sodann der Bau des – bereits erwähnten – ersten massiven Hauses unmittelbar an der Nordseite der Berlin-Wetzlarer Bahn durch den Kaufmann Wilhelm Mühler aus (Berlin)Charlottenburg. Dieses Haus „An der Bahn“, dessen heute noch ansprechende architektonische Formen weitgehend erhalten geblieben sind, kann also in diesem Jahr quasi seinen 100. Geburtstag begehen. Wir gratulieren den Besitzern des ältesten Wohnhauses von Wilhelmshorst, das den Beginn der dauerhaften Orts-Besiedelung markiert.<br />
Die entscheidende Wende für den Ort erfolgte aber 1907, als der Gründungsprozess sich erfolgversprechend verdichtete. Die Ideen Gustav Winklers aufgreifend, blieb es Wilhelm Mühler vergönnt, in diesem Jahr einen „Parzellierungsplan der Kolonie Wilhelmshorst“ aufzustellen und die zuständigen Behörden in Belzig und Potsdam für eine Genehmigung seines Bebauungsplans für das heutige Wilhelmshorst-Nord zu überzeugen. Das Genehmigungsverfahren sollte sich zwar noch über Jahre hinziehen, aber die zuständigen Verwaltungsbeamten signalisierten bereits ihre grundsätzliche Zustimmung für die Mühler’schen Pläne einer „Villenkolonie“, wie es zeitgenössisch hieß. Für die Bedeutung des Jahres 1907 kommt außerdem hinzu, dass bereits die Baupläne für mindestens zwei weitere Massivhäuser vorlagen, die heute noch existieren.<br />
1907 begann also der organisierte Siedlungsausbau auf der Grundlage eines genehmigungsfähigen und zukunftsträchtigen Parzellierungsplanes. Insofern konnte die erste und zweite Wilhelmshorster Gründergeneration dieses Jahr mit guten Gründen als Ausgangspunkt für die Zählung der Ortsjubiläen nehmen und 1932 das 25-jährige Bestehen von Wilhelmshorst als dauerhafte Siedlung feiern. Da es, wie gesagt, keinen taggenauen Gründungsakt für diesen Ort gab, legten die Wilhelmshorster des Jahres 1932 die Festwoche für den in der Regel wetterbegünstigten Frühsommer-Monat Juni fest, praktisch in Kombination mit den traditionellen Sonnenwendfeiern. Eine Konvention, an die sich die nachfolgenden Generationen weitgehend gehalten haben. Auch im 21. Jahrhundert ist das Rad nicht immer wieder neu zu erfinden, wenn die historischen Begebenheiten und Traditionen angemessen zur Kenntnis genommen werden. Insofern ist der Ortsbeirat von<br />
Wilhelmshorst gut beraten gewesen, als er unlängst die Festwoche für die 100Jahrfeier 2007 ebenfalls für den Juni terminierte.<br />
Um die modische Analogie zu Einstein wieder aufzunehmen: Auch wenn vieles im gesellschaftlich-kulturellen Daseinsbereich auf Konventionen beruht und insofern relativ ist, beliebig oder willkürlich ist es deswegen noch lange nicht.<br />
Dr. R. Paetau<br />
Dazu 2 Fotos: Haus An der Bahn 20, Gesamtansicht und Teilansicht mit Jahreszahl 1905 </p>
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		<title>125 Jahre Wetzlarer Eisenbahn &#8211; Teil 3</title>
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		<pubDate>Sat, 25 Sep 2004 18:16:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vom Kriegsende bis zur Gegenwart In der Schlussphase des Krieges kam es zu schwersten Zerstörungen der Bahnanlagen, teils durch Bombenangriffe, teils durch zurückgehende deutsche Truppen. Das Ende der Wetzlarer Bahn schien gekommen. Die Explosion abgestellter Munitionszüge führte im Juni 1945 zur fast völligen Zerstörung des Verschiebebahnhofs Seddin. Im Sommer des gleichen Jahres musste als Reparationsleistung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vom Kriegsende bis zur Gegenwart</strong></p>
<p>In der Schlussphase des Krieges kam es zu schwersten Zerstörungen der Bahnanlagen, teils durch Bombenangriffe, teils durch zurückgehende deutsche Truppen. Das Ende der Wetzlarer Bahn schien gekommen. Die Explosion abgestellter Munitionszüge führte im Juni 1945 zur fast völligen Zerstörung des Verschiebebahnhofs Seddin. Im Sommer des gleichen Jahres musste als Reparationsleistung für die Sowjetunion das zweite Gleis von der Berliner Stadtbahn bis nach Blankenheim abgebaut werden. Das Teilstück zwischen Charlottenburg und Kohlhasenbrück wurde auf russische Breitspur umgenagelt, um Stalin, der bekanntlich Angst vor dem Fliegen hatte, die Fahrt in seinem Sonderzug zur Potsdamer Konferenz der Siegermächte zu ermöglichen.<br />
Nach der provisorischen Wiederherstellung der Teltowkanalbrücke konnte bereits ab Juni 1945 der Fahrbetrieb zwischen Wannsee und Belzig wieder aufgenommen werden. In den ersten Jahren nach der Demontage des zweiten Gleises waren Zugkreuzungen nur an wenigen Punkten wie Drewitz und dem Verschiebebahnhof Seddin möglich. Zwischen Michendorf und Seddin konnte das Gleis der ebenfalls nur eingleisigen Umgehungsbahn mitgenutzt werden.</p>
<p><div id="attachment_251" class="wp-caption alignleft" style="width: 410px"><img src="http://wilhelmshorst-online.de/wp-content/uploads/blickvombahnhof.jpg" alt="Blick vom Bahnhof Wilhelmshorst, Ansichtskarte aus dem Jahr 1955,  Sammlung Autor" title="Blick vom Bahnhof Wilhelmshorst, Ansichtskarte aus dem Jahr 1955,  Sammlung Autor" width="400" height="244" class="size-full wp-image-251" /><p class="wp-caption-text">Blick vom Bahnhof Wilhelmshorst, Ansichtskarte aus dem Jahr 1955,  Sammlung Autor</p></div><br />
Durch die Aufteilung Berlins in vier Sektoren lag ein Teil der Wetzlarer Bahn im amerikanischen bzw. britischen Sektor Berlins. Die politischen Differenzen zwischen den Besatzungsmächten und später zwischen der DDR und Westberlin führten zu Bestrebungen der DDR das Eisenbahnnetz so auszubauen, dass auf die Bahnanlagen im Westen Berlin verzichtet werden kann. Eine unmittelbare Folge der Wiederinbetriebnahme des Verschiebebahnhofs Seddin 1952 war die Schließung des Verschiebebahnhofs Grunewald im amerikanischen Sektor. Vom gleichen Jahr an durften Bürger Westberlins und des Bundesgebietes nicht mehr die Vorortzüge Belzig – Wannsee benutzen.<br />
Um endgültig vom Westberliner Eisenbahnnetz unabhängig zu sein, wurde der Bau des schon seit 1909 geplanten Berliner Außenrings vorangetrieben. Das schwierigste und letzte Stück der 180 Kilometer langen Trasse  waren die 15 Kilometer zwischen Saarmund und Golm (Sago). Um das hügelige Gelände des Potsdamer Staatsforsts und des Wildparks zu überwinden, mussten 15 Brücken errichtet,  im Golmer Luch eine Moorwiese durchquert und über den Templiner See ein Damm von 1,2 Kilometern Länge errichtet werden. Sogar im strengen Winter 1955/1956 mit bis zu –25°C Frost arbeiteten die Bauarbeiter in drei Schichten rund um die Uhr. Der frisch geschüttete Damm führte zu Problemen, so dass anfangs für Züge eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h vorgeschrieben war und trotz des zweigleisigen Ausbaus der Damm nur eingleisig befahren werden konnte. Zur Komplettierung des Außenrings und als Verbindung zur Wetzlarer Bahn erfolgte 1957 die Fertigstellung der Verbindungskurve von Wilhelmshorst zum Nesselgrund.<br />
Mit der Begründung, dass die Strecke elektrifiziert werden müsse, durfte man ab 1952 nur noch bis zum Bahnhof Drewitz (heute Medienstadt Babelsberg) fahren. In Wahrheit war es ein politischer Grund. Ein Grenzkontrollpunkt konnte eingespart und die Trennung von Ost und West vorbereitet werden. Um nach Berlin zu gelangen, hatte man die „Wahl“ vom Bahnhof Drewitz zum Bahnhof Griebnitzsee zu laufen oder von Potsdam – Rehbrücke mit der Straßenbahn zum Potsdamer Stadtbahnhof  und von dort weiter nach Berlin zu fahren.<br />
In der Nacht zum 13.August 1961 erfolgte die Abriegelung der Grenze zu Westberlin. Der Betrieb auf der sogenannten Friedhofsbahn zwischen Stahnsdorf und Kleinmachnow wurde sofort eingestellt. Die Kontrollen für Interzonenzüge fanden nicht mehr in Drewitz, sondern am Bahnhof Griebnitzsee statt.  Diese Züge fuhren somit nicht mehr über Michendorf. Die Vorortzüge endeten statt in Wannsee, in Drewitz. Reisende nach Ostberlin mussten in Bergholz umsteigen. Es folgte eine Verdichtung des Zugverkehrs auf dem Berliner Ring zwischen Ostberlin und der Wetzlarer Bahn. Die Strecke Wannsee – Griebnitzsee diente seit 1962 nur noch dem Reiseverkehr zwischen Westberlin und dem Bundesgebiet  sowie dem gesamten Militärverkehr der Westalliierten von und nach Berlin. Dagegen lief fast der gesamte Güterverkehr mit Westberlin über die Strecke Wannsee – Drewitz.<br />
In der Zeit der DDR wurde die Wetzlarer Bahn wieder zweigleisig ausgebaut, die Leistungsfähigkeit des Verschiebebahnhofs Seddin erhöht und auch die noch fehlenden zweiten Gleise abschnittsweise wieder hergestellt. Im Gegensatz zum östlichen Teil war der Westberliner Teil in einem vernachlässigten Zustand.<br />
Die Elektrifizierung des Berliner Außenrings in Richtung Michendorf erfolgte 1982 und in Richtung Wannsee 1993.</p>
<p><div id="attachment_254" class="wp-caption alignleft" style="width: 410px"><img src="http://wilhelmshorst-online.de/wp-content/uploads/br6461.jpg" alt="Triebwagen vom Typ BR 646 aus Richtung Wannsee bei der Einfahrt in den Bahnhof Wilhelmshorst 2004, Foto Autor" title="Triebwagen vom Typ BR 646 aus Richtung Wannsee bei der Einfahrt in den Bahnhof Wilhelmshorst 2004, Foto Autor" width="400" height="300" class="size-full wp-image-254" /><p class="wp-caption-text">Triebwagen vom Typ BR 646 aus Richtung Wannsee bei der Einfahrt in den Bahnhof Wilhelmshorst 2004, Foto Autor</p></div><br />
Zum Fahrplanwechsel im Mai 1993 war es endlich soweit: die Regionalbahn von Beelitz– Heilstätten über Drewitz fuhr wieder bis Wannsee – das Zentrum Berlins war wieder ohne Umwege erreichbar! Nach Jahrzehnten der Trennung konnte die alte und wieder neue deutsche Hauptstadt auf dem direkten (Eisenbahn-)weg erreicht werden.<br />
Im November 2004 werden die noch analog betriebenen Stellwerke in Borkheide, Seddin, Michendorf, Beelitz- Heilstätten und Wilhelmshorst außer Betrieb genommen und durch ein hochmodernes neu erbautes digitales Stellwerk in Michendorf ersetzt.<br />
Nach neuesten Plänen will die Bahn die Regionalbahnlinie 33 attraktiver gestalten und sie künftig über Wannsee hinaus bis zur Stadtbahn führen. Dies könnte nach Inbetriebnahme des Berliner Nord-Süd-Tunnels im Jahre 2006 erfolgen.</p>
<p>Volker Tanner (AG Ortsgeschichte Wilhelmshorst)</p>
<p>(Über Ergänzungen, Erinnerungen, Fotos und anderes ergänzendes Material zur Eisen-bahngeschichte, insbesondere Wilhelmshorsts, aber auch zur weiteren Geschichte, wäre ich dankbar und bitte um Mitteilung unter Tel. 033205-62129 oder <a href="mailto:volker.tanner@gmail.com">E-Mail</a> </p>
<p>Quellen: Peter Bley, 100 Jahre Wetzlarer Bahn, in Berliner Verkehrsblätter 26 (1979) Nr. 3-4;<br />
Krebs, Jürgen – Kanonenbahn Berlin – Sangerhausen, Herdam-Fotoverlag (1994), Lok-Magazin, Wilhelmshorster Bote  u.v.a.</p>
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		<title>Vom Fuß der Schönen Berge bis zum Strand des Templiner Sees</title>
		<link>http://wilhelmshorst-online.de/vom-fus-der-schonen-berge-bis-zum-strand-des-templiner-sees/</link>
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		<pubDate>Sat, 03 Jul 2004 20:12:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Publikationen]]></category>

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		<description><![CDATA[Spaziergang zur Ortsgeschichte Wilhelmshorst Hand aufs Herz: Hätten Sie gewusst, dass Wilhelmshorst jahrzehntelang indirekten Zugang zu den Weltmeeren hatte? Dass man von der Anlegestelle am „Forsthaus Templin“ mit dem Schiff über die Havel und Elbe zur Nordsee und hinaus in die weite Welt schippern konnte? Dies mag zunächst verblüffen. In der Erinnerung vieler, selbst alteingesessener [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Spaziergang zur Ortsgeschichte Wilhelmshorst </strong></p>
<p>Hand aufs Herz: Hätten Sie gewusst, dass Wilhelmshorst jahrzehntelang indirekten Zugang zu den Weltmeeren hatte? Dass man von der Anlegestelle am „Forsthaus Templin“ mit dem Schiff über die Havel und Elbe zur Nordsee und hinaus in die weite Welt schippern konnte? Dies mag zunächst verblüffen. In der Erinnerung vieler, selbst alteingesessener Wilhelmshorster scheint die historische Tatsache zu verblassen, dass das Gemeindegebiet sich einst bis zum Templiner See erstreckte: Das Waldgebiet nördlich von Caputh über die Halbinsel Templin bis zum Nesselgrund bzw. zur Trasse des Berliner Außenrings war von den 1920er bis Ende der 1950er Jahre Wilhelmshorster Gemeindegebiet, bis es an die Stadt Potsdam abgetreten werden musste. Hingegen ist bei vielen Wilhelmshorstern in guter Erinnerung, wie sie als Kinder und Jugendliche ihre Sommerferien am Templiner Strand verlebten. Oder als Erwachsene die fünf Kilometer quer durch den Wald wanderten, ein Bad im See nahmen und anschließend in der herrlich gelegenen Gaststätte „Forsthaus Templin“ einkehrten. Manch’ lustige Anekdote gäbe es da zu erzählen.</p>
<p>Dies und die Neueröffnung des geschichtsträchtigen „Forsthaus Templin“ nahm die „Arbeitsgemeinschaft Ortsgeschichte“ daher zum willkommenen Anlaß, sich nicht nur auf die Spur der früheren und heutigen Wilhelmshorster Grenzen zu begeben. Vielmehr sollte es auch um die idyllische Naturlandschaft im Großraum der Potsdamer Kulturlandschaft gehen –handelt es sich doch um eine der entscheidenden Gründungsbedingungen dieser ehemaligen Landhauskolonie nach 1900 neben der schnellen Verkehrsanbindung per Eisenbahn an die Groß- und Hauptstadt Berlin.</p>
<p>Dem schauerhaften Wetter am Sonntag, dem 23. Mai, trotzend, waren 40 Unentwegte der öffentlichen Einladung zu einem „Spaziergang zur Ortsgeschichte“ gefolgt und hatten sich auf dem Goetheplatz eingefunden. Hier überraschte sie gleich zu Beginn Volker Horn, Tenor an der Deutschen Oper Berlin, als er den fragmentarisch überlieferten Kanon des Wilhelmshorster Liedes „Schöne Berge &#8230;“ intonierte. Nachdem Dr. Rainer Paetau in das Thema eingeführt und die Mitwirkenden kurz vorgestellt hatte, machte sich die Gruppe auf denWeg entlang der Potsdamer Straße in Richtung Norden.</p>
<p>Dabei nutzte Wolfgang Linke sogleich die Gelegenheit, an eine Reihe kleiner Handels und Handwerksbetriebe zwischen Goetheplatz und nördlichem Ortsausgang seit den 1930er Jahren zu erinnern. Denn wer kann noch so seltsam klingende Kürzel wie „El- Be Feinkost“ auflösen? Es steht für die frühere Inhaberin Ella Beljaninow. Auf der Höhe „Grüner Weg“ musste selbstverständlich der Name Gustav Winkler erwähnt werden. Er war der Erste, der hier fast sechs Morgen Land (ca. 1,5 ha) kaufte –und musste den gleichen Kaufbetrag noch einmal zahlen, um einen ausrangierten Eisenbahnwaggon als Unterkunft von Berlin dorthin transportieren zu lassen.</p>
<p>Hinter dem Friedhof bog die Wandertruppe nach Westen in den Wald hinein. Dunkle Wolken öffneten plötzlich ihre Schleusen, als der frühere Forstwirt Gerhard Mühlbach zielsicher rund rutschfest einen kleinen Baumstumpf bestieg und über die Entstehung der Landschaft und der Vegetation seit der Eiszeit im Rahmen des Klimawandels dozierte.</p>
<p>Es bleibt nur zu wünschen, diese detaillierte Einführung später im Wilhelmshorster Jubiläumsbuch in aller Ruhe und vor allem im Trockenen nachlesen zu können. Dies gilt auch für die Ausführungen des unlängst pensionierten Revierförsters Wolfgang Borowski aus Caputh. Die Biologie des Baumes in Verbindung mit der Waldbewirtschaftung aus der Perspektive des Försters vermittelt zu bekommen, bog so manch krumme Alltagsansicht gerade und hinterließ erhellende Aha-Blicke. Am inzwischen weitgehend verlandeten Saugartensee bot sich Herrn Borowski die Chance, vom Treffpunkt der Wildschweine den Bogen zum Jägerlatein zu spannen.</p>
<p>Daß mitten in der Natur auch die Wilhelmshorster Kulturgeschichte nicht zu kurz kam, dafür sorgte wiederum Herr Horn beim Erreichen des Caputher Heuwegs –und rezitierte das gleichnamige Gedicht von Peter Huchel. Gegen die Kühle des Wetters anschreitend, ging es danach flott bis zum nordwestlichen Rand des ehemaligen Gemeindegebietes.</p>
<p>Oberhalb des Nesselgrundes bzw. oberhalb des „Forsthaus Templin“ waren zwei historische Besonderheiten zu bestaunen, deren Überreste heute kaum noch ihre frühere Bedeutung erahnen lassen. Da ist zum einen versteckt unter Bäumen und Büschen der „Tammstein“ zum Gedenken an den Besitzer des Gebietes rund um das Forsthaus vor etwa 200 Jahren. Und da ist zum anderen dank einer vor wenigen Jahren verlegten Gasleitung eine frei gebliebene „Sichtachse“ über den Templiner See bis nach Potsdam- Sanssouci, die am besten im Winterhalbjahr bei gutem Wetter einzusehen ist. Dort oben am Steilhang zum Templiner See und Nesselgrund hatte der Domherr Tamm um 1800 sein „Belvedere“ gebaut und die Aussicht wie das Wohlwollen des preußischen Königs genossen.</p>
<p>Im Anblick der weniger wetterfest gekleideten Damen und Herren, die bereits die wohlige Wärme des in Sichtweite gelegenen „Forsthaus Templin“ verspürten, verkürzte Herr Paetau die Geschichte zum Haus und dessen parkähnlicher Umgebung; auch sie wird später im Detail nachzulesen sein. Begrüßt von einigen älteren Wilhelmshorstern, die mit dem Auto zur Waldgaststätte gefahren waren, legte die Wandergruppe bei selbstgebrautem Bier und Mittagessen eine wohltuende Rast ein. Dass die Erforschung der Ortsgeschichte keine staubtrockene Sache im stillen Kämmerlein sein muß, in geselliger Runde vielmehr neue Ideen für Teamarbeit geboren werden können, scheint hier bewiesen worden zu sein. Dazu trug auch „Erich aus Caputh“ bei, der sein Akkordeon hervorkramte und zum Mitsingen zu animieren suchte. Im Nu war die Zeit zu einer kurzen Besichtigung der Braumanufaktur gekommen. Der Braukeller beeindruckte derart, dass den beiden „Jungunternehmern“, die das Gebäude mit großem Engagement zu seiner Geschichte restaurieren ließen, zum Abschied nur noch ein „stets volles Haus“ gewünscht werden konnte. Anwesende Wilhelmshorster versprachen spontan, hierzu ihren Beitrag leisten zu wollen.</p>
<p>Am alpin anmutenden Steilufer des Templiner Sees entlang ging es vergnügt bei aufklarendem Wetter weiter in Richtung Caputh. Die bekannte „Marienquelle“ wurde gebührend beachtet: ein königliches Parkdenkmal aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, entworfen von dem renommierten preußischen Hofarchitekten Friedrich August Stüler nach dem (Vor-)Bild eines Details der Grabanlage Marias bei Jerusalem.</p>
<p>Mit dem Erreichen des Nordrands von Caputh verließen die Wanderer zwar das engere Gebiet der Wilhelmshorster Geschichte. Die AG Ortsgeschichte will jedoch über den lokalen Tellerrand hinausblicken und die Wilhelmshorster Beziehungsgeschichte zu den Nachbarorten pflegen. Nachdem Ingo Allwardt auf das Schicksal des jüdischen Kinderheims in den 1930er Jahre hingewiesen hatte (heute: „Anne Frank Haus“ für Jugendhilfe), hob Erika Britzke an, ehemalige Lehrerin für Deutsch und Kunstgeschichte. Als ausgezeichnete Kennerin gab sie eine engagierte Einführung in die Geschichte des international bekannten Sommerhauses von Professor Albert Einstein. Der deutsche Physiker jüdischen Glaubens und Nobelpreisträger verbrachte dort drei lange Sommer, bis er 1933 aus Furcht vor den Nationalsozialisten in die USA emigrierte. Wie Frau Britzke zu berichten wusste, soll Einstein auf seinen Wanderungen in die Umgebung auch nach Wilhelmshorst gekommen sein.</p>
<p>Als letzter Punkt stand ein Abstecher in den „Gustav-Winkler-Weg“ auf dem Programm. Die Verblüffung war vielen anzusehen, warum die Caputher den Entdecker und ersten Einwohner von Wilhelmshorst mit einem Straßennamen ehren, während es in unserem Ort nichts Vergleichbares gibt. Dass der Berlin-Schöneberger Architekt Winkler hier in Caputh eine ganze Reihe Häuser plante und den Eigenheimbau seiner Bauarbeiter unterstützte, darauf machten Herr Linke und Herr Paetau abschließend aufmerksam, bevor es im Eilschritt zurück nach Wilhelmshorst ging.</p>
<p>D. Kraus / R. Paetau</p>
<p>[Anlage: 2 Fotos mit folgenden Bildunterschriften:</p>
<p>1. Postkarte vom Forsthaus Templin um 1900</p>
<p>2. Ehemaliger Revierförster Borowski führt durch den Wald</p>
<p>.Fotos: AG Ortsgeschichte Wilhelmshorst ]</p>
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		<title>125 Jahre Wetzlarer Eisenbahn &#8211; Teil 2</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Jun 2004 18:20:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vom Ende des 19.Jahrhunderts bis zu den Wirren des 2. Weltkriegs Die vollständige Geschichte der Wetzlarer Bahn würde den Rahmen des Märkischen Bogen sprengen, so dass hier vor allem auf die Entwicklung der Bahn im Bereich der Orte Wilhelmshorst und Michendorf eingegangen wird. Mit dem am 1. Oktober 1891 eingeführtem verbilligten Personentarif, unter anderem für [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vom Ende des 19.Jahrhunderts bis zu den Wirren des 2. Weltkriegs</strong></p>
<p>Die vollständige Geschichte der Wetzlarer Bahn würde den Rahmen des Märkischen Bogen sprengen, so dass hier vor allem auf die Entwicklung der Bahn im Bereich der Orte Wilhelmshorst und Michendorf eingegangen wird.<br />
Mit dem am 1. Oktober 1891 eingeführtem verbilligten Personentarif, unter anderem für die meisten von Berlin ausgehenden Vorortstrecken, begann sich auf dem Abschnitt Berlin – Belzig langsam ein stärkerer Personenverkehr zu entwickeln.<br />
Das Entstehen der Lokomotivfabrik Orenstein &amp; Koppel in Drewitz, führte zu einer erheblichen baulichen Erweiterung des Bahnhofs Drewitz. Da es in Wannsee eine gute Verbindung nach Potsdam bestand, wurde der Plan aufgegeben zwischen Drewitz und Potsdam ein Verbindungsgleis zu bauen. Es entstanden weitere Haltepunkte, so am 01. Oktober 1897 der Haltepunkt Rehbrücke und am 01. Januar 1902 der Bahnhof „Bork, Provinz Brandenburg“ (seit 1938 Borkheide).<br />
Die Wetzlarer Bahn durchquerte zu dieser Zeit noch ausgedehnte Waldgebiete. Grundstücksgesellschaften wollten diese Gebiete erschließen, um dort Villenkolonien errichten zu können. Die wichtigste Voraussetzung war dafür die verkehrstechnische Erschließung durch den Bau von Bahnstationen. So entstanden damals auf Kosten und Initiative der entsprechenden Grundstücksgesellschaften verschieden Bahnhofsgebäude in der näheren Umgebung von Berlin. Diese Bahnhöfe wurden dem Charakter der jeweiligen Villenkolonie angepasst. Ein sehr schönes Beispiel ist der von den bekannten Architekten Fritz Brüning und Paul Vogler am Schnittpunkt von Wannsee- und Wetzlarer Bahn entworfene Bahnhof Nikolassee.</p>
<p><div id="attachment_154" class="wp-caption alignleft" style="width: 463px"><img class="size-full wp-image-154" title="Fahrplan 1914" src="http://www.ortsgeschichte.pixelsite.de/wp-content/uploads/fahrplan.jpg" alt="Fahrplan 1914" width="453" height="325" /><p class="wp-caption-text">Bild 1, Dienstfahrplan aus dem Fahrplanbuch der KED Berlin, gültig ab 01. Mai 1914</p></div><br />
Die Bewohner, der sich seit 1907 entwickelten Villenkolonie Wilhelmshorst, nutzten bis 1914 den Bahnhof Michendorf. Wahrscheinlich mit Beginn des Sommerfahrplans am 01. Juli 1914 wurde der Haltepunkt Wilhelmshorst erstmalig bedient (siehe Bild 1). Die Wilhelmshorster Grundstücksgesellschaft finanzierte den Bau eines eigenen Bahnhofs, dessen  Eröffnung am 01. Juli 1915 als Haltepunkt Wilhelmshorst erfolgte. Den Entwurf lieferte der maßgeblich an der anfänglichen Entwicklung Wilhelmshorsts beteiligte Architekt Albert Gessner. So weicht das Bahnhofsgebäude vom damals üblichen Baustil der Bahnhofsarchitektur ab.<br />
Ein neues Anleihegesetz über 26 Millionen Reichsmark ermöglichte ab 1909 maßgeblich die weitere Entwicklung des Eisenbahnnetzes im Raum Michendorf. Es sah Mittel für den Bau einer südlichen Umgehungsbahn und den Bau eines Rangierbahnhofes 1 Kilometer südlich von Michendorf vor, der die Aufgaben des Rangierbahnhofes Grundwald übernehmen sollte. Die Umgehungsbahn sollte von Michendorf über Ahrensdorf, Königswusterhausen nach Rehfelde führen. Nach mehreren Änderungen führte die Strecke seit 1914 nach Mahlsdorf. Für den Anschluss der Umgehungsbahn musste der Bahnhof Michendorf höhergelegt und erheblich baulich verändert werden. Der Ausbau der Rangierbahnhofes und des Bahnhofes Michendorf begann 1913 und bereits am 02. Februar 1914 wurde der neue Haltepunkt Seddin eröffnet. Der Verschiebebahnhof erhielt 1915 statt seiner alten Bezeichnung Michendorf den Namen Seddin. Der 1. Weltkrieg verzögerte die weiteren Arbeiten erheblich und so konnten erst am 19. März 1918 die ersten 4,3 Kilometer der Umgehungsbahn  zwischen dem Verschiebebahnhof Seddin und dem Bahnhof Michendorf in Betrieb genommen werden. Bis zu seiner endgültigen Inbetriebnahme im Jahr 1923 diente der Verschiebebahnhof vor allem als „Abstellbahnhof“.<br />
Seit Juni 1921 galt auf der Strecke Wannsee – Beelitz/Heilstätten endlich der langersehnte Vororttarif. Auf Grund des dadurch zunehmenden Bedarfs fuhren ab 1922 statt 4 Zugpaaren bis zu 13 Zugpaare täglich.<br />
Zur besseren Anbindung des Verschiebebahnhofs Seddin an das Berliner Eisenbahnnetz stellte die Deutsche Reichsbahn den Abschnitt Michendorf – Großbeeren eingleisig fertig. Dadurch wurde die Strecke Michendorf – Grunewald von einem erheblichen Teil der Güterzugverkehrs entlastet.<br />
<div id="attachment_256" class="wp-caption alignleft" style="width: 188px"><a href="http://wilhelmshorst-online.de/wp-content/uploads/fahrkarte.jpg"><img src="http://wilhelmshorst-online.de/wp-content/uploads/fahrkarte.jpg" alt="Bild 2, Kinderfahrkarte aus dem Jahr 1939 von Wilhelmshorst nach Rehbrücke, freundlicherweise von Herrn Kurt Miska (Michigan, USA) zur Verfügung gestellt." title="Bild 2, Kinderfahrkarte aus dem Jahr 1939 von Wilhelmshorst nach Rehbrücke, freundlicherweise von Herrn Kurt Miska (Michigan, USA) zur Verfügung gestellt." width="178" height="335" class="size-full wp-image-256" /></a><p class="wp-caption-text">Bild 2, Kinderfahrkarte aus dem Jahr 1939 von Wilhelmshorst nach Rehbrücke, freundlicherweise von Herrn Kurt Miska (Michigan, USA) zur Verfügung gestellt.</p></div><br />
Seit 1939 endeten fast alle Vorortzüge der Wetzlarer Bahn in Richtung Berlin in Wannsee. Der Ausbruch des 2. Weltkrieges brachte eine zunehmende Beschränkung des Reiseverkehrs. So verkehrten seit dem Frühjahr 1940 nur noch ein einziges D-Zugpaar, weiterhin zwischen Berlin-Stadtbahn und Güsten 5 Personenzüge und einzelne Züge zwischen Wannsee und Belzig. Der Vorortverkehr mit ca. 30 Zügen täglich wurde bis kurz vor Kriegsende aufrechterhalten.<br />
Der Einzugsbereich der im Verschiebebahnhof Seddin aufgelösten bzw. gebildeten Güterzüge erstreckte sich von Pommern, über Frankfurt/Main bis zum Brenner.<br />
Während der letzten Kriegsjahre konnte der Eisenbahnbetrieb nur unter größten Anstrengungen aufrecht erhalten werden. Die Brücke über den Teltowkanal bei Kohlhasenbrück wurde durch Fliegerangriffe zerstört. Der schwere Angriff auf den Verschiebebahnhof Seddin vom 20. April 1945, der viele Tote und Verwundetet forderte, führte zur vollständigen Einstellung des Zugbetriebes. Die Bahnhöfe in Michendorf und Seddin waren nach dem Angriff mit Zügen verstopft.</p>
<p>Volker Tanner (AG Ortsgeschichte Wilhelmshorst)</p>
<p>(Der dritte und letzte Teil dieser Artikelserie erscheint in einem der nächsten Hefte. Über Ergänzungen, Erinnerungen, Fotos und anderes ergänzendes Material zur Eisenbahngeschichte, insbesondere Wilhelmshorsts, wäre ich dankbar und bitte um Mitteilung unter Tel. 033205-62129 oder <a href="mailto:volker.tanner@gmail.com">E-Mail</a>)</p>
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		<title>125  Jahre  Berlin – Wetzlarer  Eisenbahn &#8211; Teil1</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Apr 2004 15:10:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zur Gründungsgeschichte im Raum Michendorf Vor 125 Jahren, am 15. Mai 1879, geschah im Raum Michendorf und speziell für die spätere Gründung der Waldsiedlung Wilhelmshorst wie für die Kolonie Rehbrücke Zukunftsweisendes: Die Teilstrecke Halensee/Grunewald (wenig später Charlottenburg) bis Blankenheim der Berlin-Wetzlarer Bahn wurde für den Personenverkehr eröffnet, einen Monat zuvor bereits für den Güterverkehr. Damit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zur Gründungsgeschichte im Raum Michendorf </strong></p>
<p>Vor 125 Jahren, am 15. Mai 1879, geschah im Raum Michendorf und speziell für die spätere Gründung der Waldsiedlung Wilhelmshorst wie für die Kolonie Rehbrücke Zukunftsweisendes: Die Teilstrecke Halensee/Grunewald (wenig später Charlottenburg) bis Blankenheim der Berlin-Wetzlarer Bahn wurde für den Personenverkehr eröffnet, einen Monat zuvor bereits für den Güterverkehr. Damit begannen Vorgänge, die im Zuge der weiteren Großstadt- und Hauptstadtbildung Berlins auch für das Umland im Raum Michendorf bis heute hin bedeutsam werden sollten – freilich auch zwiespältig, denn Natur- und Kulturlandschaften gerieten in einen Werte- und Zielkonflikt; die „Modernisierung“ der Lebenswelten hat bekanntlich zwei Seiten. </p>
<p>Es begann mit dem deutsch-französichen Krieg und der nachfolgenden Gründung des Deutschen Reiches von 1870/71. Seitdem ergab sich erstmals die Möglichkeit, die bis dahin noch weitgehend getrennten Ostprovinzen mit den Westprovinzen des Bundesstaates Preußen, den Osten mit dem (Süd-)Westen des gerade gegründeten Reiches mit Hilfe des noch neuen, vergleichsweise schnellen Verkehrsmittels Eisenbahn zu verbinden. Ein Punkt, der für die beginnende Hochindustrialisierung und Wirtschaftsexpansion Deutschlands kaum zu überschätzen ist. Maßgebend war weiterhin die Strategie der Militärs, nach der Einverleibung von Elsaß-Lothringen Truppen jederzeit schnell an die Westgrenze des noch ungefestigten Nationalstaats verlegen zu können. Deshalb galt die Wetzlarer Bahn, die über Anschlußstrecken bis nach Metz und Straßburg führte, als eine der wichtigsten „Heerstraßen“ des Kaiserreichs und erhielt den Beinamen „Kanonenbahn“ – Bezeichnungen, die seit 1945 hinfällig geworden sind. </p>
<p>Die Berlin-Wetzlarer Bahn ist auch in anderer Hinsicht von historischer Bedeutung. Denn bis 1870 waren die meisten Eisenbahnstrecken in Preußen-Deutschland in der noch jungen Unternehmensform von Aktiengesellschaften in privater Hand. Im Zuge der Reichsgründung erkannte die Regierung unter Bismarck die militärische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Rolle der Eisenbahnen. Private Unternehmen wurden seitdem vom Staat verstärkt aufgekauft, eine riesige Reichseisenbahnverwaltung aufgebaut und Großprojekte in staatlicher Regie initiiert. Kurz, der Staat übernahm unternehmerische Funktionen ungeahnten Ausmaßes in einem Schlüsselbereich. Eines dieser ersten Großprojekte zur mitteleuropäischen Ost-West-Verbindung war der Bau der Wetzlarer Bahn. </p>
<p>Dabei hätten die Regierungen Preußens und des Reichs den Zug der Zeit beinahe verpaßt. Denn ein privates Eisenbahnunternehmen hatte bereits den Konzessionsantrag zum Bauprojekt einer Verbindungslinie von Berlin nach Frankfurt/Main gestellt. Der konkurrierende Antrag wurde umgehend abgelehnt und in aller Eile ein ähnliches, größeres Projekt in staatlicher Regie aus der Taufe gehoben. Die entscheidende Frage war auch damals die der Finanzierung. Mit dem heute unscheinbaren, seinerzeit spektakulären Anleihe-Gesetz vom Juni 1873 wurde die ungeheure Kreditsumme von 120 Millionen Taler bzw. von 360 Millionen Mark für den Ausbau des preußischen Eisenbahnnetzes aufgelegt, wovon fast die Hälfte allein für das Projekt der Berlin-Wetzlarer Bahn eingeplant war. Wie nicht anders zu erwarten, mußten im Verlauf des Bauvorhabens weitere Kredite aufgenommen werden. Die zunächst hohe Staatsverschuldung für diese zukunftsträchtige Schlüsselinvestitionen sollte im Zuge der wirtschaftlichen Expansion in der Zeitspanne einer Generation abgebaut werden. </p>
<p>Die Projektierung und folgende Trassierung der Eisenbahnstrecke im Berlin-Potsdamer Raum seit 1873/74 erwies sich als ebenso schwierig wie strittig. Der ursprüngliche Plan, die Strecke von Berlin in Richtung Westen bis Spandau und von dort entlang des westlichen Havelufers über Potsdam und Ferch nach Bork zu führen, wurde bald fallengelassen. Statt dessen favorisierten die Planer im Handelsministerium Charlottenburg als Ausgangspunkt, weil dort der Anschluß gegeben war zur ebenfalls in Planung befindlichen Stadtbahn; sie sollte in West-Ost-Richtung quer durch Berlin verlaufen und die Kopfbahnhöfe bis zum Ostbahnhof miteinander verbinden. Für die von Charlottenburg in Richtung Südwesten führende Strecke sprach ferner die Anbindung Wannsees und der dort entstehenden Villenkolonien.<br />
Die zweigleisige Durchschneidung des Grunewalds stieß allerdings bei einigen adligen und großbürgerlichen Grundbesitzern wie bei Mitgliedern des Hohenzollernhauses, die um ihre königlichen Jagdreviere besorgt waren, nicht auf Zustimmung und zog langwierige Verhandlungen über Entschädigungszahlungen nach sich. Das hielt Kaiser Wilhelm. I. nicht davon ab, diese Streckenführung zu genehmigen. Einspruch erhob er aber gegen die weitere Trassierung vor den Toren Potsdams bis zum Brauhausberg, wo die Stadt den Neubau eines Bahnhofs wünschte. Für Wilhelm I. führte diese Linie zu nah an Friedhöfen und militärischen Einrichtungen wie dem Kadettenhaus an der Saarmunder Straße vorbei.<br />
Ein weiterer Grund für die Planer, diese Trasse letztlich zu verwerfen, war die vorgesehene Weiterführung dieser Linie südlich der Teltower Vorstadt. Denn die Endmoränen-Hügellandschaft um den Brauhausberg, die Steilufer am Templiner und Schwielow-See und die Fercher Berge hätten eine Reihe bautechnischer Probleme aufgeworfen und die Kosten in die Höhe getrieben. So ließ man nach langem Hin und Her bei der Prüfung der schwierigen Strecken-Varianten Potsdam „links liegen“ und projektierte die Trasse von Kohlhasenbrück über Drewitz durch das Rehgraben-Gebiet östlich an den Ravensbergen und den Schöne-Bergen vorbei über Michendorf weiter südlich nach Beelitz und Belzig. Die heutige Linienführung war geboren!</p>
<p>Was diese Streckenführung der Wetzlarer Bahn etwa für die späteren Landhaus-Kolonien Rehbrücke und Wilhelmshorst bedeutete, liegt auf der Hand: Sie wären nicht, zumindest nicht auf dem Gebiet, wo sie heute liegen, gegründet worden. Handelte es sich doch um Ortsgründungen von nicht unvermögenden Berlinern, die aus unterschiedlichen Einzelmotiven vor den Toren der Großstadt im Grünen wohnen wollten. Da ihre Arbeitsstellen aber weiterhin ganz überwiegend in der Hauptstadt lagen, wurden sie zu „modernen“ Pendlern, waren also auf die damals einzige schnelle Verbindung in die Stadt, die Eisenbahn, angewiesen. Eine attraktive naturräumliche Lage bei gleichzeitig guter Verkehrsanbindung in die Berliner City waren die entscheidenden Lagefaktoren, die zur Gründung und den Ausbau dieser Landhaus-Siedlungen führten – und seit 1990 eine Wiederkehr ihrer Geschichte erleben.<br />
										 R. Paetau </p>
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		<title>Wilhelmshorster ArchitekTour</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Nov 2003 20:19:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Publikationen]]></category>

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		<description><![CDATA[„Spaziergang zur Ortsgeschichte“ über Häuserbiografien und Denkmalschutz Wie geheimnisvoll! Eine Staffelei mit verhülltem rechteckigen Gegenstand, plaziert auf der Grünfläche des Michendorfer Platzes unter rot-gold leuchtendem Herbstlaub im herrlichen Sonnenlicht. Da bildete sich an diesem schönen Herbstmorgen des 12. Oktober schnell eine erwartungfrohe Gruppe von 35 ortsgeschichtlich Interessierten, die etwas zur Wilhelmshorster Architekturgeschichte erfahren wollten. Sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Spaziergang zur Ortsgeschichte“ über Häuserbiografien und Denkmalschutz Wie geheimnisvoll! Eine Staffelei mit verhülltem rechteckigen Gegenstand, plaziert auf der Grünfläche des Michendorfer Platzes unter rot-gold leuchtendem Herbstlaub im herrlichen Sonnenlicht. Da bildete sich an diesem schönen Herbstmorgen des 12. Oktober schnell eine erwartungfrohe Gruppe von 35 ortsgeschichtlich Interessierten, die etwas zur Wilhelmshorster Architekturgeschichte erfahren wollten. Sie waren der Einladung der Arbeitsgemeinschaft Ortsgeschichte gefolgt, die sich namentlich an deren „Freunde und Förderer“ richtete.</p>
<p>In seiner Begrüßung verriet Dr. Paetau mit Blick auf den verhüllten Gegenstand, aus der Not eine Tugend gemacht zu haben: Nicht mehr Existierendes werde hier visualisiert. Die Enthüllung gab dann den Blick nicht nur auf einen riesigen alten Bilderrahmen frei, der aus einem hiesigen Müllcontainer vor der Verschrottung gerettet und von Herrn Hildebrand fachgerecht restauriert worden ist. Vielmehr war ein großes Farbfoto zu sehen mit einem vielen Wilhelmshorstern bekannten, Ende 1995 leider abgerissenen Fachwerkhaus – dem vom Grundstücksmakler G. Kapuste Mitte der 1920er Jahre errichteten Wohnhaus.</p>
<p>Den Einzelfall des geretteten alten Holz-Bilderrahmes nahm Herr Paetau zum Anlass, um auf die kulturgeschichtliche Bedeutung von Sachgegenständen aller Art hinzuweisen: Gegenstände der Alltagskultur, die es wert sind, gesammelt und aufgehoben zu werden, gerade auch aus der DDR-Zeit vor 1990. So möchte die „Arbeitsgemeinschaft Ortsgeschichte“ mittelfristig ein kleines „Museum zur Ortsgeschichte“ einrichten. Soweit Wilhelmshorster Bürger derartige Gegenstände haben und sie abgegeben möchten, erbittet die Arbeitsgemeinschaft Ortsgeschichte um Kontaktaufnahme mit Herrn Wolfgang Linke oder Frau Christa Stiemke (Tel. 62667 / 46785).</p>
<p>Alsdann übernahmen der Architekt Ingo Allwardt und der Kenner der Ortsgeschichte, Wolfgang Linke, die weitere Führung der ArchitekTour. Das älteste Haus des Ortes steht An der Bahn Nr. 20 und trägt die Jahreszahl 1905. Es wurde vom Ortsgründer Wilhelm Mühler errichtet und 1914 von der Familie Dorsch erworben. Seitdem ist es unter der Bezeichnung „Haus Dorsch“ bekannt. Da es bis in die dreißiger Jahre in Wilhelmshorst keine Hausnummern gab, wurden die Häuser mit den Namen der Besitzer verbunden (z.B. „Färber-Villa“). Im „Haus Dorsch“ betrieben nacheinander drei Kaufleute ihre Lebensmittel-Läden (Remus, Japé und Otto Krüger). Ein kurzer Abstecher in den Birkenweg führte vor das leerstehende, dem Verfall preisgegebenen Haus Nr. 8, in dem seit Mitte 1932 der bekannte „Wilhelmshorster Bote“ von Kirch &amp; Schwichtenberg redaktionell hergestellt worden war. Im Haus gegenüber hatte von 1931 bis 1933 die Schule zwei Unterrichtsräume angemietet und im Haus Nr. 6 war jahrelang der Kindergarten zu Hause.</p>
<p>Seit zwei Jahren völlig leerstehend, nagt der Zahn der Zeit unübersehbar am Gebäude der ehemaligen „Schulküche“ bzw. des „Jugendclubs“ An der Bahn/Ecke Heidereuterweg. Dieses Fachwerkhaus aus den 1920er Jahren mit schönem Biberschwanz- Dach erscheint durchaus nicht so marode, wie mancherorts behauptet. Dass derartige Häuser durchaus zu restaurieren sind, ist derzeit am „Haus Bansemir“ (später Frau Dr. Mehnert, An der Bahn Nr. 13) zu studieren, auch wenn man über Details der Restaurierungsarbeiten unterschiedliche Meinungen haben kann.</p>
<p>Dann der Knüller des Tages. Während alle Häuser gewöhnlich nur von außen bzw. von öffentlichen Wegen aus besichtigt werden können, durfte diesmal das Grundstück nördlich gegenüber vom Bahnhof (An der Bahn Nr. 6) betreten werden. Ja, der neue Eigentümer öffnete sogar das leerstehende Haus zu einer Innenbesichtigung. Es handelt sich um das legendäre „Café Weber“ mit ehemals wunderschöner Gartenterrasse. Es wurde in den 1920er Jahren im repräsentativen Baustil errichtet und verzaubert noch den heutigen Betrachter mit seinen weinumrankten Jugendstilfenstern. Seit Beginn der 1930er Jahre beherbergte es ein Café mit kleinem Restaurant, das auch einige örtliche Nationalsozialisten zu ihrem Stammlokal erkoren hatten. In den ersten Jahren nach 1945 dienten einige Räume im Obergeschoss der Schule für den Turnunterricht. Doch anwesende ältere Wilhelmshorster gerieten ins Schwärmen, als sie sich an schöne Tanzveranstaltungen und Feiern in diesen Räumen erinnerten.</p>
<p>An den Bergen ging es weiter bergauf zum schönen Haus Nr. 100. Unfassbar, dass dem lange leerstehenden Gebäude vor wenigen Jahren schon der Abriss drohte, als zu guter Letzt doch noch ein Retter erschien. Der neue Eigentümer hat das äußere Erscheinungsbild glücklicherweise erhalten. Der herrliche Fachwerkbau mit Holz- Veranda, 1923 für den Apotheker Dr. Göhl erbaut, ist wieder ein Blickfang geworden –ein weiterer Beleg dafür, wie sehr restaurierte Häuser zum Erhalt des einmaligen Charmes und damit zur Wohnqualität dieser Waldsiedlung beitragen.</p>
<p>An den Bergen Nr. 87 hatte der Kunstmaler Sewig in den 1920er Jahren ein kleines Waldhaus errichtet. Im Laufe der Zeit sollte es sich „entwickeln“: erst kam einkleiner, dann ein größerer Anbau hinzu. Das „Ensemble“ passt sich perfekt in die Natur ein und ist von der Straße aus kaum einzusehen –ein lauschiges Plätzchen.</p>
<p>Als Kontrapunkt verharrten die „Spaziergänger“ zum Schluss vor dem Neubau- Objekt Eichenweg Nr. 23: einem verklinkerten Wohn- und Atelierhaus mit Innenhof und Turm, dem Herr Allwardt eine ansprechende Architektur bescheinigte, da es „aus dem Grundstück heraus“ entwickelt worden sei.</p>
<p>Da dieser Spaziergang auf den Spuren Wilhelmshorster Vergangenheit wiederum ein recht positives Echo gefunden hat, sieht sich die Arbeitsgemeinschaft Ortsgeschichte in ihrer Auffassung bestätigt, zur Vorbereitung einer Festschrift zur 100-Jahrfeier von Wilhelmshorst im Jahre 2007 weiterhin lokalhistorische Spaziergänge zu unterschiedlichen Themen anzubieten.</p>
<p>Dieter Kraus</p>
<p>Fotos: I. Allwardt (1), V. Tanner (2)</p>
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