„Klarheit“ für Eigentümer

Immer mehr Objekte im Landkreis werden unter Denkmalschutz gestellt
Von Henry Klix
An sich sollte die alte Gaststätte Am Grashorn in Geltow abgerissen werden. Die Gemeinde wollte hier einen Neubau für ein Geltower Vereinshaus errichten. Jetzt hat das Landesamt für Denkmalpflege das hinfällige Kleinod entdeckt und unter Schutz gestellt. „Finanzielle Unterstützung gibt es vom Denkmalschutz aber nicht“, so Bürgermeisterin Kerstin Hoppe (CDU). „Wir müssen aufpassen, wie das Projekt überhaupt noch umsetzbar ist.“
Nicht nur bei der Gemeinde Schwielowsee ist der Denkmalschutzstatus teils ungeliebt. Bauarbeiten verzögern sich, Kosten explodieren und nicht immer klappt das Miteinander so gut wie derzeit auf der Bismarckhöhe Werder, wo künftige und frühere Nutzung übereinstimmen. Umso interessanter sind die Zahlen, die das Landratsamt in dieser Woche auf den Tisch legte: Der Denkmalschutz war im vorigen Jahr besonders fleißig. In der Vergangenheit wurden Jahr für Jahr jeweils 30 bis 40 Objekte im Landkreis zu Denkmalen erklärt, seit Juni vorigen Jahres waren es fast doppelt so viele – satte 76. Vom Wasserwerk in Beelitz bis zum Spritzenhaus in Langerwisch, vom Schulhaus in Schenkenhorst bis zur Post in Stahnsdorf, von der Villa Berglas in Petzow bis zum Mühlengebäude am Eingang der Alpenstraße Glindow – hier geht jetzt nichts mehr ohne Denkmalpfleger. Hintergrund ist das neue Denkmalschutzgesetz vom August 2004, mit dem Bürokratieabbau versprochen wurde. Zwar wurden die Einspruchsfristen der Denkmalbehörden bei Baugenehmigungsverfahren tatsächlich von drei auf einen Monat verkürzt. Aber auch das Verfahren zur Unterschutzstellung ist einfacher geworden, um schneller „Klarheit“ für die Eigentümer zu schaffen, wie es damals hieß. „Dabei ging es auch um den Nachholbedarf in Landkreisen, die bisher nur ein halbes Dutzend Denkmale pro Jahr erklärt hatten“, sagt Regine Reif von der Unteren Denkmalschutzbehörde Belzig. Auch die Mittelmark konnte aber profitieren: Das Landesamt für Denkmalpflege grase die Gemeinden jetzt systematisch und straßenweise ab, so Reif. „Früher lief das eher über einen Hinweis, wenn ein Bauantrag gestellt wurde.“ Besonders genau hat man offenbar in Kleinmachnow und Wilhelmshorst hingeschaut: Elf Wohnhäuser wurden in den beiden Orten in den letzten zwölf Monaten unter Denkmalschutz gestellt. Die betroffenen Eigentümer erfahren nicht mehr per Bescheid, sondern aus dem Amtsblatt, dass ihr Objekt den neuen Status hat. „Ein anderer Informationsanspruch besteht nicht. Wir bemühen uns im Landkreis aber, die Eigentümer einzubinden.“ Das Landratsamt argumentiert, dass der Denkmalschutz neben der reizvollen Landschaft eine Grundlage für den Tourismus im Gebiet zwischen Havelland und Fläming bildet und „so das Wirtschaftswachstum beeinflusse“. 803 Einzeldenkmale und Denkmalanlagen gibt es jetzt im Landkreis, 25 stehen auf der Warteliste. Doch nur 4 Millionen Euro stehen in diesem Jahr als „konzertierte Denkmalhilfe“ im Land Brandenburg zur Verfügung, um überforderte Eigentümer zu entlasten. Wie man den Status wieder los wird, zeigt das Beispiel des Neuseddiner Wasserturms: Er war so marode, dass er im November abgerissen werden musste – das einzige Objekt im Kreis, das seit Juni 2004 von der Liste gestrichen wurde. Auf einen solchen Effekt hofft man jetzt vielleicht auch Am Grashorn in Geltow.
PNN

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